Wer bei Google „Kieferorthopädie studieren” eingibt, sucht meist nach einem eigenständigen Studiengang — und landet auf verwirrenden Ergebnissen. Der Grund: Diesen Studiengang gibt es schlicht nicht. Kieferorthopädie ist keine Fachrichtung, die Du direkt nach dem Abitur beginnen kannst, sondern eine Spezialisierung innerhalb der Zahnmedizin, die erst nach einem abgeschlossenen Studium beginnt — und zwar auf zwei unterschiedlichen Wegen, die häufig durcheinandergeworfen werden.

Das Missverständnis

Das Missverständnis entsteht leicht, weil andere medizinische Fachrichtungen ähnlich klingen wie eigene Studiengänge — dabei ist es überall im zahnärztlichen und ärztlichen Bereich gleich: Erst kommt das breite Grundstudium (Zahnmedizin bzw. Medizin), dann die fachliche Spezialisierung. Bei der Kieferorthopädie kommt hinzu, dass es dafür nicht nur einen, sondern zwei unterschiedlich geregelte Wege gibt — das macht die Suche nach „Kieferorthopädie studieren” zusätzlich verwirrend.

Die zwei tatsächlichen Wege

Nach dem Zahnmedizinstudium und der Approbation stehen zwei grundverschiedene Wege offen:

Weg A — Fachzahnarzt-Weiterbildung. Die vierjährige Weiterbildung zum Fachzahnarzt bzw. zur Fachzahnärztin für Kieferorthopädie an einer Universitätsklinik oder einer dafür ermächtigten Praxis, geregelt durch die Weiterbildungsordnung der 17 Landeszahnärztekammern und abgeschlossen mit der Fachzahnarztprüfung vor der zuständigen Kammer. Nur dieser Weg berechtigt später zur Führung des geschützten Titels „Kieferorthopäde“ (BGH-Urteil vom 29.07.2021, Az. I ZR 114/20).

Weg B — Master oder Zusatzqualifikation. Ein berufsbegleitender Master- oder Curriculum-Studiengang in Kieferorthopädie, meist ein bis drei Jahre, angeboten von privaten und staatlichen Hochschulen ohne bundesweit einheitlichen Standard. Der Abschluss qualifiziert fachlich zur Behandlung, berechtigt aber nicht zur Titelführung „Kieferorthopäde“ — erlaubt sind Formulierungen wie „Praxis für Kieferorthopädie“ oder ein gemeldeter Tätigkeitsschwerpunkt.

Behandeln darf jede approbierte Zahnärztin und jeder approbierte Zahnarzt kieferorthopädisch — der Unterschied zwischen beiden Wegen betrifft also nicht die Behandlungsbefugnis, sondern die Titelführung und Werbung. Den kompletten Ablauf beider Wege mit allen Details erklären wir Schritt für Schritt in Kieferorthopäde werden: Der komplette Weg, die genaue Rechtslage zur Titelfrage in Fachzahnarzt oder Master: Wer darf sich „Kieferorthopäde“ nennen? und eine Übersicht konkreter Master-Anbieter in Master Kieferorthopädie in Deutschland: Anbieter im Überblick.

Warum das wichtig zu wissen ist

Wenn Du das früh verstehst, kannst Du Deine Studienzeit gezielter nutzen: Praktika, Famulaturen und das Praktische Jahr lassen sich schon mit Blick auf den späteren Weg planen — ganz gleich, ob es später in Richtung Fachzahnarzt-Weiterbildung oder Master geht. Und Du vermeidest die Enttäuschung, nach dem Abitur vergeblich nach einem passenden Studiengang zu suchen.

Zahnmedizin oder gleich Richtung KFO planen?

Ganz unabhängig vom späteren Weg startest Du immer mit dem vollständigen Zahnmedizinstudium — eine Vorab-Spezialisierung gibt es im Studium selbst kaum. Wer sich schon während des Studiums für Kieferorthopädie interessiert, kann das aber durch Wahlfächer, Hospitationen in kieferorthopädischen Praxen oder eine Doktorarbeit im Fachgebiet sichtbar machen. Das hilft später sowohl bei der Bewerbung um eine Weiterbildungsstelle (Weg A) als auch bei der Wahl eines passenden Master-Programms (Weg B).

Alles Weitere zum ersten Schritt — Bewerbung, Ablauf und Inhalte des Zahnmedizinstudiums — findest Du ausführlich auf zahnmedizinstudium.eu; die aktuellen Auswahlgrenzen aller Standorte zeigt die NC-Übersicht Zahnmedizin.


Stand: Juli 2026. Angaben ohne Gewähr — verbindliche Auskünfte zu Studien- und Weiterbildungsordnungen erteilen die zuständigen Landeszahnärztekammern.