Wer sich für die Kieferorthopädie interessiert, aber nicht vier Jahre in eine Fachzahnarzt-Weiterbildung investieren will oder kann, stößt schnell auf ein zweites Angebot: akademische Master-Studiengänge mit Titeln wie „M.Sc. Kieferorthopädie” oder „Kieferorthopädie & Alignertherapie (M.Sc.)”. Dieser Artikel ordnet ein, welche Anbieter es in Deutschland dafür wirklich gibt, was sie ungefähr kosten – und vor allem, was ein solcher Master rechtlich bedeutet und was nicht.
Der wichtigste Punkt zuerst: Kein Master macht Dich zum „Kieferorthopäden”
Bevor es um einzelne Anbieter geht, die entscheidende Rechtsfrage: Ein Master-Abschluss in Kieferorthopädie – egal von welcher Hochschule – berechtigt Dich nicht zur persönlichen Berufsbezeichnung „Kieferorthopäde” oder „Kieferorthopädin”. Das hat der Bundesgerichtshof mit Urteil vom 29.07.2021 (Az. I ZR 114/20) entschieden: Dieser Titel bleibt approbierten Fachzahnärzt:innen vorbehalten, die die vierjährige, kammerlich geregelte Weiterbildung (Weg A) abgeschlossen haben.
Mit einem Master (Weg B) darfst Du kieferorthopädisch behandeln – das erlaubt das Berufsrecht ohnehin jedem approbierten Zahnarzt und jeder approbierten Zahnärztin –, und Du darfst unter Aufklärungspflicht mit „Praxis für Kieferorthopädie” werben oder einen „Tätigkeitsschwerpunkt Kieferorthopädie” bei Deiner Kammer melden. Die ausgeschriebene Qualifikation, also „Master of Science Kieferorthopädie”, musst Du dabei deutlich nennen; die Abkürzung „M.Sc.” allein reicht laut BGH nicht aus. Die vollständige Einordnung inklusive Urteilsdetails findest Du in unserem Artikel Fachzahnarzt oder Master: Wer darf sich „Kieferorthopäde” nennen?
Welche Anbieter es in Deutschland gibt
Ein echter, universitär verliehener Master-Grad in Kieferorthopädie ist in Deutschland deutlich seltener, als das Marketing mancher Anbieter vermuten lässt. Nach unserer Recherche (Stand: Juli 2026) sind das die relevantesten Optionen:
Hochschule Fresenius (Wiesbaden): „Kieferorthopädie & Alignertherapie (M.Sc.)”
Die staatlich anerkannte Hochschule Fresenius bietet in Kooperation mit dem privaten Bildungsinstitut IBIZ (Institut für Bildung und Innovation in der Zahnmedizin, Crailsheim) den berufsbegleitenden Studiengang „Kieferorthopädie & Alignertherapie (M.Sc.)” an. Nach eigenen Angaben der Hochschule handelt es sich um den einzigen Master-Studiengang in Deutschland mit diesem Schwerpunkt auf Alignertherapie.
- Dauer: vier Semester, 90 ECTS-Punkte, Blended-Learning-Format zwischen Präsenzblöcken in Wiesbaden bzw. Crailsheim und Onlineeinheiten.
- Zulassung: abgeschlossenes Zahnmedizinstudium mit Approbation, mindestens ein Jahr Berufserfahrung, zusätzlicher Weiterbildungsvertrag mit IBIZ.
- Kosten: rund 1.250 Euro monatlich, macht über vier Semester etwa 30.000 Euro Gesamtkosten (Quelle: hs-fresenius.de, Stand: Juli 2026).
- Titelrecht: Die Hochschule selbst weist darauf hin, dass der Abschluss „schildfähig” ist und zur fachlichen Selbstdarstellung berechtigt – nicht aber zur Bezeichnung „Kieferorthopäde”.
Studienzentren in Deutschland für einen österreichischen Master
Mehrere niedergelassene KFO-Praxen in Deutschland – etwa in Erftstadt, im Kraichgau oder anderswo – werben mit einem „international anerkannten Universitätslehrgang Master of Science (MSc.) Kieferorthopädie” in sechs Semestern, für den sie als regionaler Präsenz- und Prüfungsstandort fungieren. Wichtig für Dich: Diese Praxen verleihen den Grad nicht selbst. Nach unserer Recherche steht hinter solchen Programmen eine österreichische Universität mit Sitz in Krems an der Donau – in Österreich gibt es dort gleich zwei unterschiedliche Hochschulen mit ähnlichem Namen (die staatliche Universität für Weiterbildung Krems, früher „Donau-Universität Krems”, sowie die private Danube Private University), die beide berufsbegleitende Kieferorthopädie-Masterprogramme führen.
Genaue, öffentlich einsehbare Kostenangaben für diese Programme konnten wir nicht verlässlich ermitteln – die Websites der beteiligten Praxen nennen dazu keine Zahlen, und die Studiengebühren werden nach Angaben der Danube Private University „lehrgangsspezifisch” festgelegt. Frag das bei Interesse direkt bei der jeweiligen Universität nach, nicht nur bei der werbenden Praxis vor Ort.
Curriculum Kieferorthopädie: die Alternative ohne akademischen Grad
Wer keinen Master anstrebt, sondern „nur” die fachliche Grundlage für einen gemeldeten Tätigkeitsschwerpunkt sucht, findet bei mehreren zahnärztlichen Akademien ein „Curriculum Kieferorthopädie” – zum Beispiel bei der Akademie für Zahnärztliche Fortbildung Karlsruhe (eine Einrichtung der Landeszahnärztekammer Baden-Württemberg). Das Format unterscheidet sich deutlich vom Master:
- Dauer: acht Intensivkurse à zwei Tage plus ein zweitägiges Abschlussseminar, verteilt über rund ein Jahr.
- Abschluss: ein Teilnahmezertifikat, kein akademischer Grad wie Bachelor oder Master.
- Kosten: rund 7.920 Euro bei Einmalzahlung (Karlsruhe, Kursjahr 2026/2027), zuzüglich Work-Kit und Typodonten von zusammen knapp 1.300 Euro (Quelle: za-karlsruhe.de, Stand: Juli 2026).
Diese Zusatzqualifikation ist deutlich günstiger als ein Master, verleiht aber auch keinen akademischen Grad – für viele Landeszahnärztekammern reicht sie dennoch als Nachweis für die Meldung eines Tätigkeitsschwerpunkts. Ob und welche Fortbildungsnachweise Deine Kammer konkret verlangt, ist unterschiedlich geregelt; das gehört zu den Punkten, die Du direkt bei Deiner zuständigen Landeszahnärztekammer erfragen solltest.
Direktvergleich: Fachzahnarzt, Fresenius-Master, Auslands-Master, Curriculum
| Fachzahnarzt-Weiterbildung | M.Sc. Hochschule Fresenius | Auslands-Master (Studienzentrum Deutschland) | Curriculum Kieferorthopädie | |
|---|---|---|---|---|
| Verleihende Institution | Landeszahnärztekammer | Hochschule Fresenius (Deutschland) | Universität mit Sitz in Krems, Österreich | Zahnärztliche Akademie/Kammer |
| Dauer | 4 Jahre Vollzeit | 4 Semester | 5–6 Semester | rund 1 Jahr |
| Abschluss | Fachzahnarztprüfung | Master of Science | Master of Science | Teilnahmezertifikat |
| Ungefähre Kosten | kein Studienentgelt, aber Verdienstausfall ggü. Vollzeit-Praxistätigkeit | ca. 30.000 € | nicht öffentlich einsehbar | ca. 8.000–9.200 € |
| Titel „Kieferorthopäde" | ja | nein | nein | nein |
Eine ausführlichere Aufschlüsselung, was die einzelnen Kostenblöcke der KFO-Weiterbildung insgesamt ausmachen – inklusive Verdienstausfall und Nebenkosten –, findest Du in unserem Artikel Gehalt und Kosten der KFO-Weiterbildung.
So prüfst Du einen Master-Anbieter, bevor Du Dich einschreibst
- Frag nach dem Namen der verleihenden Hochschule – nicht nur nach dem Namen der Praxis oder des Instituts, das die Präsenzveranstaltungen organisiert.
- Prüfe die Hochschule in der ANABIN-Datenbank der Kultusministerkonferenz (anabin.kmk.org), besonders bei ausländischen Anbietern.
- Frag vor der Einschreibung schriftlich bei Deiner Landeszahnärztekammer nach, ob und wie der Abschluss für einen gemeldeten Tätigkeitsschwerpunkt anerkannt würde.
- Lass Dir die Studiengebühren schriftlich und vollständig nennen – inklusive Zusatzkosten für Material, Prüfungen und Abschlussarbeit.
- Sei skeptisch bei vagen Formulierungen wie „international anerkannt”, wenn nicht konkret benannt wird, von welcher Behörde und in welchem Land die Anerkennung stammt.
Wenn Du Dich stattdessen für den klassischen, kammerlich geregelten Weg zum Fachzahnarzt interessierst, findest Du den Einstieg dazu in unserem Artikel KFO-Weiterbildungsstelle finden sowie eine Übersicht aller Standorte in Alle KFO-Weiterbildungsstätten in Deutschland. Einen vollständigen Überblick über beide Wege liefert unser Hub-Artikel Spezialisieren nach dem Zahnmedizinstudium sowie die zentrale Pillar-Seite Kieferorthopäde werden: Der komplette Weg.
Stand: Juli 2026. Angaben zu Studiengängen, Kosten und Anbietern basieren auf öffentlich zugänglichen Quellen zum Recherchezeitpunkt und können sich ändern – prüfe aktuelle Zahlen und die Akkreditierung immer direkt bei der jeweiligen Hochschule und Deiner Landeszahnärztekammer. Dieser Artikel ersetzt keine Rechts- oder Studienberatung.
