Die DTMD („University for Digital Technologies in Medicine and Dentistry“) mit Sitz in Luxemburg war nach Darstellung des luxemburgischen Hochschulministeriums nie als Hochschule akkreditiert und durfte deshalb keine Bachelor- oder Master-Grade verleihen. Das berichtet die Fachzeitschrift Zahnärztliche Mitteilungen (zm 19/2026). Der öffentlich belegte Stand ist der vom 11.10.2026. Die Anzeige des Ministeriums liegt bei der luxemburgischen Staatsanwaltschaft, ein Ergebnis ist nicht bekannt.
Was öffentlich belegt ist
Nach dem zm-Bericht hat das Ministerium für Forschung und Hochschulwesen (MESR) der Redaktion mitgeteilt, die DTMD sei in Luxemburg keine anerkannte oder akkreditierte Hochschuleinrichtung. Ihre Programme gälten als Fortbildung, die nicht zu einem akademischen Grad führe, auch für Abschlüsse aus der Zeit vor dem Hochschulgesetz von 2023. Das Wirtschaftsministerium bestätigte demnach eine Betriebsgenehmigung nur für berufliche Aus- und Weiterbildung. Das Gesetz zum Schutz akademischer Titel trat laut zm am 15.09.2023 in Kraft. Die zuständige Ministerin erklärte am 15.09.2026 vor dem Hochschulausschuss, dass das Ministerium am 23.04.2026 Anzeige bei der Staatsanwaltschaft erstattet hat, nachdem sich eine Studentin gemeldet hatte.
Die Übersicht des Ministeriums zu akkreditierten Studienangeboten (Seite vom 08.10.2026) führt als akkreditierte spezialisierte Hochschuleinrichtungen unter anderem die Luxembourg School of Business und LUNEX auf. Die DTMD erscheint dort nicht. Das Hochschulgesetz vom 21. Juli 2023 regelt die Akkreditierung dieser Einrichtungen für Bachelor- und Master-Programme.
Was die DTMD selbst sagt
Auf ihrer Startseite (abgerufen am 11.10.2026) schreibt die DTMD, ihre Postgraduierten-Diplome seien einem Bachelor- oder Master-Abschluss im Bologna-System nicht gleichwertig und deshalb nicht im Register des luxemburgischen Ministeriums verzeichnet. Die Master-Programme sollen zu einem neuen Partner wechseln, den die Seite nicht nennt. Nach dem zm-Bericht teilte die Geschäftsleitung den Studierenden mit, der Studienbetrieb laufe als Außenstelle der Trakia Universität in Bulgarien, die sich nicht an die vertraglichen Bedingungen halte. Das MESR führt dagegen an, dass die bulgarischen Behörden bestätigt hätten, die Trakia University besitze keine zahnmedizinische Fakultät.
Der zm-Bericht nennt außerdem eine Programmakkreditierung des Studiengangs durch die Agentur AHPGS vom 10.12.2020, die laut AHPGS auf Gesuch der DTMD seit dem 22.02.2025 ruht. Im April 2026 bot die DTMD betroffenen Studierenden laut zm einen Wechsel an eine private Universität in Liechtenstein an oder die Exmatrikulation mit Erstattung der Gebühren. Mehrere Betroffene berichten der zm, dass Rückzahlungen noch ausstehen. In dem von der zm geschilderten Fall hatte ein Zahnarzt für den vierjährigen Master Kieferorthopädie 31.000 Euro gezahlt. Eine weitere öffentliche Stellungnahme der DTMD zu den Aussagen des Ministeriums lag bei Abruf am 11.10.2026 nicht vor.
Was Betroffene tun können
- Sichere alle Unterlagen: Vertrag, Zahlungsbelege, Zeugnisse, Leistungsnachweise und die E-Mails des Anbieters.
- Informiere Deine Landeszahnärztekammer. Bist Du Vertragszahnarzt, nimm auch Kontakt zu Deiner Kassenzahnärztlichen Vereinigung auf: Ob ein solcher Abschluss als Master of Science im Sinne des § 28 Abs. 2a SGB V gilt, entscheidet die KZV.
- Hol Rechtsberatung ein, zum Beispiel bei einer Verbraucherzentrale oder einer Kanzlei für Hochschul- und Vertragsrecht, bevor Du weitere Zahlungen leistest oder auf Angebote zum Hochschulwechsel eingehst.
Die Prüfliste für künftige Entscheidungen steht im Artikel MSc-Orthodontics-Anbieter prüfen. Unabhängig vom Fall DTMD berechtigt auch ein rechtmäßig verliehener Master nicht zum Titel „Kieferorthopäde“ (BGH, Urteil vom 29.07.2021, Az. I ZR 114/20). Zulasten der gesetzlichen Krankenkassen gilt seit dem 30.07.2026 ein Fachzahnarztvorbehalt, mit Bestandsschutz für Vertragszahnärzte, die einen Master der Kieferorthopädie bis einschließlich 29.07.2026 begonnen oder abgeschlossen haben. Einzelheiten dazu stehen im Artikel Fachzahnarzt oder Master, die Anbieter in Deutschland vergleicht Master Kieferorthopädie in Deutschland.
Weiterlesen: Kosten des Masters in Kieferorthopädie, KFO-Weiterbildung im Ausland
Quellen
- 31.000 Euro für einen Master ohne Abschluss (zm 19/2026): Aussagen des MESR und des Wirtschaftsministeriums, AHPGS-Akkreditierung, Trakia University, Wechselangebot Liechtenstein, Fallbeispiel; Fachpresse.
- Warum ließ Luxemburg die DTMD so lange einfach machen? (zm 20/2026): Gesetz zum Schutz akademischer Titel vom 15.09.2023, Anzeige bei der Staatsanwaltschaft vom 23.04.2026, Aussagen der Ministerin; Fachpresse.
- Akkreditierungen (Ministerium für Forschung und Hochschulwesen, Luxemburg): Übersicht der akkreditierten Hochschuleinrichtungen und Studienprogramme, Stand 08.10.2026.
- Loi du 21 juillet 2023 sur l’organisation de l’enseignement supérieur (Legilux): Hochschulgesetz.
- Startseite der DTMD: Eigendarstellung der Postgraduierten-Diplome und des Partnerwechsels, abgerufen 11.10.2026.
- § 28 SGB V (gesetze-im-internet.de): Fachzahnarztvorbehalt, Bestandsschutz für Master.
Stand: Oktober 2026.
