Wer im englischsprachigen Ausland eine Facharztausbildung in Kieferorthopädie sucht, findet vor allem in kleineren EU-Ländern und im UK etablierte Programme. Sie können eine Alternative sein, wenn die Suche nach einer Weiterbildungsstelle in Deutschland lange dauert — die Kosten und vor allem die spätere Anerkennung in Deutschland solltest Du aber genau prüfen, bevor Du Dich entscheidest.

Wichtig vorab: „MSc Orthodontics" ist keine geschützte Bezeichnung und nicht automatisch gleichbedeutend mit einer Facharztausbildung. Ob ein Programm später zur Führung des Titels „Kieferorthopäde" in Deutschland berechtigt, hängt davon ab, ob es die offizielle staatliche Facharztausbildung des jeweiligen Landes ist — nicht jedes akademische Master-Programm erfüllt das. Hintergrund dazu in unserem Artikel Fachzahnarzt oder Master: Wer darf sich „Kieferorthopäde" nennen?

Bei privaten Anbietern kommt noch ein zweites Risiko hinzu, das über die reine Titelfrage hinausgeht: Manche Programme sind nicht einmal als Hochschule akkreditiert, der „Master”-Titel also gar kein rechtmäßiger akademischer Grad. Ein konkretes, aktuelles Beispiel zeigen wir in unserem Artikel Vorsicht bei privaten Weiterbildungsanbietern: Der Fall DTMD (Luxemburg).

Beispiele für englischsprachige Programme

Land / HochschuleDauerKosten (Richtwert)Träger
Zypern — European University Cyprus3 Jahrerund 150.000 € gesamtprivat
Dänemark — Aarhus University3 Jahrerund 290.000 DKK (≈ 39.000 €) pro Jahr, nur 1–2 Plätze für Internationaleöffentlich
Lettland — Riga Stradiņš Universitymehrjährig, postgradualvariiert, Auskunft direkt bei der Universität einholenöffentlich
UK — u. a. University of Manchester, University of Plymouth3 Jahreca. 60.000+ £ pro Jahr für internationale Studierendeöffentlich

Die Bandbreite ist groß: Private Hochschulen wie in Zypern finanzieren sich vollständig über Studiengebühren, entsprechend hoch sind die Kosten. Öffentliche Universitäten wie Aarhus vergeben dagegen nur sehr wenige, staatlich mitfinanzierte Plätze an internationale Bewerber:innen — dafür ist die Konkurrenz um diese Plätze entsprechend groß. Aarhus beschreibt sein Programm ausdrücklich als Weg zu einer „Specialty in Orthodontics recognized within the European Community” — also zur offiziellen Facharztanerkennung, nicht nur zu einem akademischen Titel. Bei privaten Anbietern lohnt sich eine genauere Nachfrage, welchen Status das Programm im jeweiligen Land tatsächlich hat.

Wie diese Abschlüsse in Deutschland anerkannt werden

Das ist der entscheidende Punkt, bevor Du Dich für ein teures oder langwieriges Auslandsprogramm entscheidest: Ob Du in Deutschland automatisch als Fachzahnarzt bzw. Fachzahnärztin für Kieferorthopädie anerkannt wirst, hängt nicht davon ab, ob eine Hochschule auf ihrer eigenen Website mit „EU-anerkannt” wirbt — sondern ausschließlich davon, ob die ausstellende Stelle explizit in Anhang V Nr. 5.3.3 der EU-Berufsanerkennungsrichtlinie 2005/36/EG gelistet ist und es sich um die staatlich geregelte Facharztausbildung handelt.

  • Ist die Stelle gelistet: Die Anerkennung in Deutschland erfolgt automatisch, ohne zusätzliche Prüfung.
  • Ist sie es nicht: Deine zuständige Landeszahnärztekammer führt eine individuelle Gleichwertigkeitsprüfung durch. Entscheidend ist dabei der tatsächliche Kenntnisstand, nicht die formale Übereinstimmung mit dem deutschen Weiterbildungsprogramm.

Bekannte Ausnahmen ohne automatische Anerkennung sind Abschlüsse aus Spanien, Luxemburg und Österreich — für sie ist immer eine Einzelfallprüfung nötig. Für andere Länder gilt: Frag vor Studienbeginn direkt bei Deiner Landeszahnärztekammer nach, ob die konkrete Hochschule bzw. der konkrete Studiengang gelistet ist. Verlass Dich dabei nicht allein auf die Werbeaussagen der Hochschule.

Wichtig zu wissen: Auch ohne automatische Listung ist eine Anerkennung möglich. Das Verwaltungsgericht Hannover verpflichtete am 25.02.2025 (Az. 7 A 219/23) die Zahnärztekammer Niedersachsen, einer Zahnärztin mit spanischem Master-Abschluss (drei Jahre, über 2.000 Stunden klinische Praxis) die Bezeichnung „Fachzahnärztin für Kieferorthopädie” anzuerkennen — ohne zusätzliche Fachzahnarztprüfung, weil die Weiterbildung inhaltlich gleichwertig war.

Sonderfall UK: Anerkennung nach dem Brexit

Vor dem Brexit galten britische Facharztqualifikationen unter der EU-Richtlinie 2005/36/EG als automatisch anerkennbar. Seit dem EU-Austritt gilt das UK als Drittstaat: Neu erworbene britische Abschlüsse durchlaufen das aufwendigere Anerkennungsverfahren für Drittstaaten-Qualifikationen, inklusive möglicher Gleichwertigkeits- bzw. Kenntnisprüfung. Wer heute ein Programm in Manchester oder Plymouth beginnt, sollte das bei der Planung einkalkulieren.

Fazit

Englischsprachige Programme können eine sinnvolle Option sein — vor allem, wenn Sprache kein Hindernis ist und Du offen für ein Auslandsjahr (oder mehrere) bist. Vor der Bewerbung solltest Du aber drei Dinge klären: die tatsächlichen Gesamtkosten inklusive Lebenshaltung, ob das Programm die offizielle Facharztausbildung des Landes ist oder „nur” ein akademischer Zusatzabschluss, und ob bzw. wie der Abschluss später bei Deiner Landeszahnärztekammer anerkannt wird. Ein kurzes Gespräch mit der Kammer vor Studienbeginn erspart Dir im Zweifel Jahre Unsicherheit — und die Enttäuschung, den Titel „Kieferorthopäde” am Ende trotz hoher Kosten nicht führen zu dürfen.


Stand: Juli 2026. Programmdetails, Kosten und Platzzahlen ändern sich — prüfe aktuelle Angaben direkt bei der jeweiligen Hochschule. Für die verbindliche Anerkennungs- und Titelfrage ist ausschließlich Deine Landeszahnärztekammer zuständig.