Zahnärzte können keinen Europäischen Berufsausweis (European Professional Card, EPC) beantragen. Das Verfahren gilt nach der Durchführungsverordnung (EU) 2015/983 für fünf Berufe, und die EU-Seite nennt Stand Oktober 2026 weiterhin genau diese fünf. Für eine ausländische Fachzahnarzt-Weiterbildung in Kieferorthopädie bleibt es beim Verfahren über die Landeszahnärztekammer.
Was der EPC ist
Der EPC ist ein elektronisches Verfahren. Du beantragst ihn online mit einem EU-Login auf der EPC-Plattform der Kommission. Die Behörde Deines Herkunftsstaats prüft innerhalb eines Monats, ob Deine Unterlagen echt und gültig sind, und leitet den Antrag weiter. Der Zielstaat entscheidet je nach Fall innerhalb von einem oder zwei Monaten; tut er das nicht rechtzeitig, gilt der EPC als ausgestellt (Art. 4d Abs. 5 der Richtlinie 2005/36/EG).
Rechtsgrundlage sind die Artikel 4a bis 4e der Richtlinie 2005/36/EG, eingefügt durch die Richtlinie 2013/55/EU. Welche Berufe teilnehmen und wie das Verfahren abläuft, regelt die Durchführungsverordnung (EU) 2015/983 vom 24.06.2015.
Für welche Berufe gilt er?
Anhang I der Durchführungsverordnung nennt fünf Berufe: Krankenpfleger für allgemeine Pflege, Apotheker (Grundausbildung), Physiotherapeuten, Bergführer und Immobilienmakler. Zahnärzte und Fachzahnärzte stehen nicht darauf. Das gilt für die Approbation ebenso wie für eine Spezialisierung wie Kieferorthopädie.
Eine Begründung nennt die EU-Seite nicht. Aus der Verordnung selbst ergibt sich nur, wie die Auswahl lief: Die Kommission prüfte bei der Einführung Ärzte, Krankenpflegepersonal, Apotheker, Physiotherapeuten, Bergführer, Immobilienmakler und Ingenieure und wählte daraus fünf Berufe (Erwägungsgrund 2). Für die Aufnahme eines Berufs verlangt Art. 4a Abs. 7 der Richtlinie dreierlei: signifikante Mobilität, ausreichendes Interesse der Beteiligten und Reglementierung in einer signifikanten Zahl von Mitgliedstaaten. Pläne, weitere Berufe aufzunehmen, nennt die Seite nicht.
Was für Zahnärzte stattdessen gilt
Die Approbation erteilt die zuständige Landesbehörde, die ausländische Fachzahnarzt-Weiterbildung erkennt die Landeszahnärztekammer an. Automatische Anerkennung gibt es nur, wenn das Land für Kieferorthopädie in Anhang V Nr. 5.3.3 der Richtlinie 2005/36/EG gelistet ist; sonst prüft die Landeszahnärztekammer im Einzelfall. Ablauf, Länderliste, Fristen und Gebühren stehen in Ausländische KFO-Weiterbildung in Deutschland anerkennen lassen.
Wo Du Hilfe bekommst
- Die Landeszahnärztekammer Deines Zielbundeslandes nennt Unterlagen, Fristen und Gebühren.
- Das Informationsportal Anerkennung in Deutschland des Bundesinstituts für Berufsbildung bietet Beratungssuche, Hotline und einen Anerkennungs-Finder.
- Die Seite Berufsqualifikationen des EU-Portals Your Europe erklärt die Grundzüge der Anerkennung und verweist auf Anlaufstellen in den Mitgliedstaaten.
Wer im Ausland studiert oder eine Weiterbildung plant, sollte die Anerkennungsfrage früh mit der Kammer klären. Welche Länder für die Weiterbildung in Frage kommen, zeigt KFO-Weiterbildung im Ausland; wie Du Dich mit einem Abschluss nennen darfst, steht in Fachzahnarzt oder Master.
Weiterlesen: KFO-Weiterbildung in der Schweiz, Englischsprachige KFO-Weiterbildung und Rückkehr nach Deutschland nach der Auslandsweiterbildung.
Quellen
- Europäischer Berufsausweis (Your Europe, zuletzt überprüft 27.02.2026): die fünf Berufe, Antrag über die EPC-Plattform
- Durchführungsverordnung (EU) 2015/983 (EUR-Lex): Anhang I (fünf Berufe), Erwägungsgrund 2
- Richtlinie 2005/36/EG, konsolidierte Fassung vom 29.10.2025 (EUR-Lex): Art. 4a bis 4e (EPC), Art. 4d Abs. 5, Anhang V Nr. 5.3.3
- Berufsqualifikationen (Your Europe, zuletzt überprüft 13.08.2026): Hinweise zur Anerkennung und Anlaufstellen
- Anerkennung in Deutschland (Bundesinstitut für Berufsbildung): Beratungsangebote
Stand: Oktober 2026.
