Zuständig für die Anerkennung einer ausländischen Fachzahnarzt-Weiterbildung in Kieferorthopädie ist die Landeszahnärztekammer des Bundeslandes, in dem Du arbeiten willst. Ob Dein Nachweis automatisch gilt, entscheidet Anhang V Nr. 5.3.3 der Richtlinie 2005/36/EG: In der Fassung vom 29.10.2025 führt er 24 EU-Staaten für Kieferorthopädie auf, Spanien, Kroatien und Luxemburg nicht. Die Kammer soll spätestens drei Monate nach den vollständigen Unterlagen entscheiden; in Berlin kostet das Verfahren 100 bis 640 Euro.

Welche Länder und Programme für die Weiterbildung selbst in Frage kommen, zeigt KFO-Weiterbildung im Ausland. Ein Master (Weg B) durchläuft das Verfahren grundsätzlich nicht; was dann gilt, steht im letzten Abschnitt und im Vergleich Fachzahnarzt oder Master. Verbindlich sind der Bescheid und die Auskunft Deiner Kammer.

Wer ist zuständig?

Eine zentrale Bundesbehörde gibt es nicht. Du stellst den Antrag bei der Landeszahnärztekammer des Bundeslandes, in dem Du arbeiten möchtest. Voraussetzung ist eine gültige deutsche Approbation oder Berufserlaubnis als Zahnarzt, wie es die Zahnärztekammer Berlin ausdrücklich nennt. Die Fachsprachprüfung gehört zur Approbation und nicht zu diesem Verfahren; was sie verlangt, steht in Sprachnachweise für Zahnärzte im Ausland.

Die Rechtsgrundlagen liegen auf zwei Ebenen. Die Richtlinie 2005/36/EG gibt den Rahmen vor, das Landesrecht setzt ihn um: durch das Heilberufe- oder Kammergesetz des Landes und die Weiterbildungsordnung (WBO) der Kammer. In Berlin sind das § 6 (EU, EWR, Schweiz) und § 7 (Drittstaaten) der WBO sowie §§ 36 und 37 des Berliner Heilberufekammergesetzes, in Niedersachsen die §§ 5 bis 6 der WBO vom 18.06.2026. Was die Kammern bei der Weiterbildung sonst unterscheidet, erklärt der Vergleich der Weiterbildungsordnungen.

ANABIN, die Datenbank der Kultusministerkonferenz, bewertet ausländische Hochschulabschlüsse, Institutionen und Berufsabschlüsse. Weiterbildungen nennt sie auf ihrer Startseite nicht gesondert; die fachliche Gleichwertigkeit prüft die Kammer.

Automatische Anerkennung nur mit Listung in Anhang V

Die Richtlinie sieht für Fachzahnärzte eine automatische Anerkennung vor, wenn der Ausbildungsnachweis mit ausstellender Stelle für Kieferorthopädie in Anhang V Nr. 5.3.3 steht. Dann erhältst Du die Anerkennung auf Antrag (so etwa § 5 Abs. 1 WBO Niedersachsen). Die konsolidierte Fassung vom 29.10.2025 führt Belgien, Bulgarien, Tschechien, Dänemark, Deutschland, Estland, Griechenland, Frankreich, Irland, Italien, Zypern, Lettland, Litauen, Ungarn, Malta, die Niederlande, Österreich, Polen, Portugal, Rumänien, Slowenien, die Slowakei, Finnland und Schweden auf. Für Spanien, Kroatien und Luxemburg gibt es keinen Eintrag.

Die Länder mit eigenem Artikel im Überblick:

LandAnhang V (Kieferorthopädie)Folge für Deinen AntragArtikel
Niederlandeja, Eintrag im Specialistenregisterautomatische AnerkennungNiederlande
Dänemark, Schwedenjaautomatische AnerkennungSkandinavien
Norwegennicht aufgeführt (EWR-, kein EU-Staat)Einzelauskunft der KammerSkandinavien
Ungarn, Polen, Estland, Lettland, Litauenjaautomatische Anerkennung für die staatliche FacharztausbildungOsteuropa
Österreichja, seit Delegiertem Beschluss (EU) 2025/2187: Abschlussurkunde einer Universität, Stichtag 01.09.2023automatisch für die neue Ausbildung; bei älteren Nachweisen klärt die Kammer den EinzelfallÖsterreich
Schweiznicht aufgeführt (kein EU-Staat)Freizügigkeitsabkommen EU-Schweiz, Auskunft der KammerSchweiz
Großbritanniennur Nachweise, die vor dem 01.01.2021 ausgestellt wurdenspäter wie DrittstaatEnglischsprachige Programme
Spanien, Kroatien, LuxemburgneinEinzelfallprüfung
USA und andere DrittstaatenneinEinzelfallprüfungEnglischsprachige Programme

Stand der Tabelle ist die konsolidierte Fassung vom 29.10.2025; ein späterer Änderungsbeschluss der Kommission kann die Liste verändern.

Einzelfallprüfung und das Urteil des VG Hannover

Fehlt die Listung, prüft die Kammer die Gleichwertigkeit des Weiterbildungsstands. Die WBO Niedersachsen formuliert den Maßstab so: Die Weiterbildung darf keine wesentlichen Unterschiede zur deutschen aufweisen, bei Inhalten oder Dauer. Wesentliche Unterschiede können ganz oder teilweise durch Berufspraxis ausgeglichen werden, unabhängig davon, in welchem Staat sie erworben wurde (§ 5 Abs. 2).

Wie weit das reichen kann, zeigt das Urteil des VG Hannover vom 25.02.2025 (Az. 7 A 219/23). Eine spanische Zahnärztin hatte von 2008 bis 2011 einen dreijährigen postgradualen Vollzeit-Masterstudiengang in Madrid absolviert, mit mindestens 2.000 Stunden klinischer Praxis. Spanien steht nicht in Anhang V. Das Gericht verpflichtete die Zahnärztekammer Niedersachsen dennoch, die Gebietsbezeichnung Kieferorthopädie anzuerkennen: Das Universitätszeugnis gelte als Ausbildungsnachweis über eine Weiterbildung, und es komme allein auf den materiellen Kenntnisstand an. Eine Eignungsprüfung sei nur bei festgestellten wesentlichen Unterschieden zulässig. Die Angaben stammen aus dem Bericht der Kanzlei lennmed auf ZWP online vom 03.06.2025; zur Rechtskraft macht er keine Aussage. Ein Anspruch auf Anerkennung folgt daraus für Deinen Fall nicht, die Prüfung bleibt eine Einzelfallentscheidung.

Der Ablauf Schritt für Schritt

  1. Du stellst den Antrag schriftlich oder, wo die Kammer es anbietet, elektronisch bei der zuständigen Landeszahnärztekammer.
  2. Du reichst die Unterlagen ein: Identitätsnachweis, Nachweis der deutschen Approbation oder Berufserlaubnis, beglaubigte Kopien der ausländischen Weiterbildungs- und Prüfungsnachweise, Lebenslauf, Nachweise über die bisherige Berufspraxis und beglaubigte Übersetzungen aller fremdsprachigen Dokumente. Die genaue Liste steht im Merkblatt Deiner Kammer; die Kammer kann Originale oder amtlich beglaubigte Kopien nachfordern.
  3. Die Kammer bestätigt innerhalb eines Monats den Eingang und nennt fehlende Unterlagen (Art. 51 Abs. 1 der Richtlinie).
  4. Bei Listung in Anhang V folgt die formale Prüfung, ohne Listung die Gleichwertigkeitsprüfung.
  5. Du erhältst einen begründeten Bescheid: Anerkennung oder Auflagen.

Fristen und Gebühren

Nach Art. 51 Abs. 2 der Richtlinie muss das Verfahren spätestens drei Monate nach Einreichung der vollständigen Unterlagen abgeschlossen sein; bei EU-Nachweisen kann die Frist um einen Monat verlängert werden. Die Kammern regeln Frist und Gebühr in ihren Ordnungen unterschiedlich:

KammerFristGebühr
Berlin, EU/EWR/Schweizin der Regel drei Monate nach vollständigen Unterlagen100 bis 640 Euro, je Aufwand
Berlin, Drittstaatenin der Regel vier Monate100 bis 640 Euro, je Aufwand
Niedersachsen, EU/EWRspätestens drei Monate, bei Entscheidung über eine Eignungsprüfung vierlaut Kostensatzung der Kammer
Niedersachsen, DrittstaatenEntscheidung soll sechs Monate nach vollständigen Unterlagen erfolgenlaut Kostensatzung der Kammer

Stand der Angaben ist Oktober 2026. Andere Kammern nennen in ihren Gebührenordnungen eigene Beträge.

Wenn es nicht zur vollen Anerkennung reicht

Stellt die Kammer wesentliche Unterschiede fest, endet das Verfahren nicht mit einer Ablehnung. Art. 14 der Richtlinie erlaubt als Ausgleichsmaßnahme eine Eignungsprüfung oder einen Anpassungslehrgang von höchstens drei Jahren; grundsätzlich hast Du die Wahl, Ausnahmen regelt Art. 14 Abs. 3. Welche Maßnahme Deine Kammer vorsieht, steht in ihrer WBO. Niedersachsen kennt für EU-Nachweise die Eignungsprüfung als Prüfungsgespräch von 60 bis 90 Minuten, das sich auf die festgestellten Unterschiede bezieht und bei Nichtbestehen zweimal wiederholt werden kann (§ 5a). Erst mit bestandener Maßnahme erhältst Du die Anerkennung und darfst die Bezeichnung führen.

Widerspruch und Klage

Die Richtlinie verlangt, dass gegen die Entscheidung und gegen eine verspätete Entscheidung Rechtsbehelfe nach innerstaatlichem Recht möglich sind (Art. 51 Abs. 3). In Deutschland gilt für den Widerspruch eine Frist von einem Monat nach Bekanntgabe des Bescheids (§ 70 VwGO); die Anfechtungs- und Verpflichtungsklage ist innerhalb eines Monats nach Zustellung des Widerspruchsbescheids zu erheben, ohne Widerspruchsverfahren innerhalb eines Monats nach Bekanntgabe (§ 74 VwGO). Ob das Land ein Widerspruchsverfahren vorsieht, steht in der Rechtsbehelfsbelehrung des Bescheids; hol Dir bei einer Ablehnung rechtzeitig anwaltlichen Rat.

Drittstaaten

Für Nachweise aus Staaten außerhalb von EU, EWR und Schweiz gilt die automatische Anerkennung nicht. Die Kammer prüft immer im Einzelfall. In Niedersachsen werden bei wesentlichen Unterschieden Weiterbildungszeiten teilweise angerechnet, die fehlenden Zeiten sind nachzuleisten, danach folgt die reguläre Fachzahnarztprüfung (§ 6 WBO). Plane für das Verfahren mehr Zeit ein als bei EU-Nachweisen.

Master als Weg B

Der Master in Kieferorthopädie ist grundsätzlich keine Fachzahnarzt-Weiterbildung und durchläuft dieses Verfahren nicht. Eine Ausnahme zeigt der Fall aus Hannover: Ein ausländischer universitärer Vollzeit-Master, der inhaltlich einer Fachzahnarzt-Weiterbildung entspricht, kann als Weiterbildungsnachweis gelten. Ein berufsbegleitender Master ohne klinische Vollzeitausbildung erfüllt das nicht.

„Kieferorthopäde“ und „Fachzahnarzt für Kieferorthopädie“ darf nur führen, wer die Anerkennung einer Zahnärztekammer hat. Für Kassenleistungen kommt es seit dem 30.07.2026 auf den Fachzahnarzt an (§ 28 Abs. 2 und 2a SGB V). Ohne dessen Anerkennung brauchen Vertragszahnärzte einen gleichwertigen Abschluss oder ausreichende praktische Erfahrung; die Kriterien sollen KZBV und GKV-Spitzenverband bis zum 01.01.2027 im Bundesmantelvertrag festlegen. Die bisherige Rechtslage gilt für Behandlungen weiter, die bis einschließlich 29.07.2030 beginnen. Bestandsschutz haben Zahnärzte, die ein Master-of-Science-Studium in Kieferorthopädie bis einschließlich 29.07.2026 abgeschlossen oder aufgenommen haben. Die Einzelheiten und die Frage, wie Du Dich mit Master nennen und bewerben darfst, behandelt Fachzahnarzt oder Master. Ein Beispiel für einen Anbieter ohne Akkreditierung beschreibt der Fall DTMD.

Plane die Anerkennung früh, am besten bevor Du Dich für eine Stelle im Ausland entscheidest. Die Kammer sagt Dir vorab, ob die geplante Weiterbildung anerkennungsfähig aussieht. Wie es nach dem Abschluss weitergeht, steht in Rückkehr nach Deutschland.

Weiterlesen: der EU-Berufsausweis (EPC) für Zahnärzte, Kieferorthopädie in Österreich und KFO-Weiterbildung in Osteuropa.

Quellen

Stand: Oktober 2026.