Nach der Qualifikation stehen vier Wege offen: Anstellung, Partnerschaft, eigene Praxis und die Universitätslaufbahn. Mit Fachzahnarzt-Titel (Weg A) wie mit Master (Weg B) kannst Du kieferorthopädisch arbeiten, denn Behandeln darf jeder approbierte Zahnarzt. Der Unterschied liegt in Titel, Praxisname und Werbung sowie seit dem 30.07.2026 bei den Kassenleistungen. Ausführlich erklärt das Fachzahnarzt oder Master.
| Option | Mit Fachzahnarzt-Titel | Mit Master |
|---|---|---|
| Anstellung | Als „Fachzahnarzt für Kieferorthopädie” in Praxis, MVZ oder Klinik, Titel ohne Zusatz auf Schild, Website und Karte | Kieferorthopädisch tätig, die Praxis muss bei Werbung mit „Kieferorthopädie” aufklären |
| Partnerschaft | Einstieg als Gesellschafter einer bestehenden Fachzahnarztpraxis | Gesellschaftsvertrag und Berufsordnung der Kammer entscheiden; Praxisbezeichnung vorab klären |
| Eigene Praxis | Gründung oder Übernahme, „Fachzahnarztpraxis für Kieferorthopädie” und „Kieferorthopäde” erlaubt | Gründung oder Übernahme, „Praxis für Kieferorthopädie” nur mit Aufklärung, kein „Fachzahnarztpraxis”, kein „Kieferorthopäde” |
Zahlen zu Einkommen und Kapitalbedarf stehen in Gehalt als Kieferorthopäde, Angestellt, Partner oder Inhaber im Gehaltsvergleich und Eigene KFO-Praxis gründen oder übernehmen.
Option 1: Anstellung in Praxis, Klinik oder MVZ
Für die meisten ist die Anstellung der erste Schritt nach der Qualifikation: planbares Gehalt, kein unternehmerisches Risiko, Zeit zum Einarbeiten. Als Fachzahnarzt arbeitest Du in einer Fachzahnarztpraxis, einem Medizinischen Versorgungszentrum (MVZ) oder an einer Universitätsklinik, und Dein Titel darf ohne Zusatz auf Praxisschild, Website und Visitenkarte stehen.
Mit Master arbeitest Du ebenfalls angestellt kieferorthopädisch, das erlaubt das Berufsrecht jedem approbierten Zahnarzt. Wirbt die Praxis mit „Kieferorthopädie” oder „Praxis für Kieferorthopädie”, muss sie über Deine tatsächliche Qualifikation aufklären, etwa mit dem ausgeschriebenen Grad „Master of Science Kieferorthopädie”. „M.Sc.” allein reicht laut BGH nicht (Details in Praxisschild und Werbung). Für Kassenleistungen in der Kieferorthopädie gilt seit dem 30.07.2026 ein Fachzahnarztvorbehalt mit Ausnahmen; berufsrechtliche Behandlungsbefugnis und Privatleistungen bleiben unberührt.
MVZ gewinnen als Arbeitgeber an Bedeutung. Nach dem KZBV-Aktionsplan 2025 bis 2030 befand sich zum 31.12.2024 nahezu jedes dritte zahnmedizinische MVZ in der Hand eines Investors. Die Zahl gilt für die Zahnmedizin insgesamt, nicht nur für die Kieferorthopädie. Anstellungsverträge und Entscheidungsspielräume in investorengeführten Zentren solltest Du deshalb genau prüfen.
Option 2: Partnerschaft als Teilhaber
Der Schritt von der Anstellung zur Teilhaberschaft erfolgt meist in einer Berufsausübungsgemeinschaft (BAG), etwa als Gesellschaft bürgerlichen Rechts (GbR) oder Partnerschaftsgesellschaft (PartG). Er liegt zwischen der Sicherheit der Anstellung und dem vollen unternehmerischen Risiko einer eigenen Praxis.
Mit Fachzahnarzt-Titel wirst Du Gesellschafter einer bestehenden Fachzahnarztpraxis, trägst einen Teil des Risikos und beteiligst Dich am Gewinn. Mit Master ist die Beteiligung ebenfalls denkbar; ob dafür ein Titel verlangt wird, regeln der Gesellschaftsvertrag und die Berufsordnung Deiner Landeszahnärztekammer. Die Bezeichnung „Fachzahnarztpraxis für Kieferorthopädie” setzt die Anerkennung als Fachzahnarzt voraus. Wie die Kammer eine gemischte Partnerschaft beurteilt, klärst Du deshalb vor dem Einstieg mit ihr und mit den bestehenden Partnern.
Option 3: Eigene Praxis gründen oder übernehmen
Die eigene Praxis bietet den größten unternehmerischen Spielraum. Für Vertragszahnärzte gibt es keine Zulassungsbeschränkungen und damit keine gesperrten Planungsbereiche (§ 103 Abs. 8 SGB V); Neugründung und Übernahme einer Praxis samt Patientenstamm stehen Dir offen.
Mit Fachzahnarzt-Titel darfst Du die Praxis „Fachzahnarztpraxis für Kieferorthopädie” oder „Praxis für Kieferorthopädie” nennen und Dich „Kieferorthopäde” nennen. Mit Master gründest oder übernimmst Du ebenfalls und behandelst dort kieferorthopädisch. Verwehrt bleiben die Bezeichnungen „Fachzahnarztpraxis” und „Kieferorthopäde”; „Praxis für Kieferorthopädie” ist nur mit Aufklärung direkt daneben zulässig, wie in Praxisschild und Werbung je Kanal gezeigt. Wer als Vertragszahnarzt Kassenleistungen abrechnen will, prüft vorab den Fachzahnarztvorbehalt seit dem 30.07.2026 samt Ausnahmen und Bestandsschutz. Die Finanzierung behandelt Eigene KFO-Praxis gründen oder übernehmen.
Option 4: Universitätslaufbahn in Forschung und Lehre
Eine wissenschaftliche Laufbahn an einer Universitätspoliklinik für Kieferorthopädie mit dem Ziel einer Professur ist die seltenere Option. Welche Voraussetzungen für Habilitation und Berufung gelten, erklärt der Artikel zur Universitätslaufbahn in der Kieferorthopädie.
Die Entscheidung
Anstellung, Partnerschaft und eigene Praxis stehen Dir mit beiden Wegen offen. Willst Du den Titel „Kieferorthopäde” führen oder eine Praxis unter diesem Namen betreiben, führt der Weg über die anerkannte Weiterbildung, in Deutschland oder im Ausland mit anschließender Anerkennung. Willst Du vor allem klinisch kieferorthopädisch arbeiten, kann der Master schneller dorthin führen. Er ist ein zweiter Weg mit anderem Ergebnis: kürzer, kostenpflichtig, ohne Titel und seit 2026 mit Einschränkung bei Kassenleistungen. Verbindlich ist die Auskunft Deiner Landeszahnärztekammer. Wie der Alltag aussieht, beschreibt Berufsbild Kieferorthopäde.
Weiterlesen: Arbeitszeiten und Work-Life-Balance in der Kieferorthopädie, Kann man Kieferorthopädie studieren? und Wie lange es dauert, Kieferorthopäde zu werden.
Quellen
- § 103 SGB V, Zulassungsbeschränkungen: Absatz 8, die Absätze 1 bis 7 gelten nicht für Zahnärzte.
- § 28 SGB V: Abs. 2 Satz 6 Nr. 1 und Abs. 2a zum Fachzahnarztvorbehalt für Kassenleistungen.
- BGH, Urteil vom 29.07.2021, I ZR 114/20: Randnummer 49, „M.Sc.” allein genügt als Aufklärung nicht.
- KZBV, Aktionsplan Sicherstellung 2025 bis 2030 (PDF, 24.10.2025): nahezu jedes dritte zahnmedizinische MVZ in Investorenhand zum 31.12.2024.
Stand: Oktober 2026.
