Für eine Professur in der Kieferorthopädie verlangt zum Beispiel die Ausschreibung der Universität Halle-Wittenberg die Anerkennung als Fachzahnarzt für Kieferorthopädie und eine Habilitation oder gleichwertige wissenschaftliche Leistungen. Der übliche Weg führt über eine befristete Stelle an einer Universitätspoliklinik, die Weiterbildung, Promotion und Forschung verbindet. Der Master (Weg B) führt nicht zu diesem Titel; für ein solches Anforderungsprofil reicht er deshalb nicht aus. Zusätzlich gilt für Kassenleistungen seit dem 30.07.2026 ein Fachzahnarztvorbehalt mit Übergangsfrist und Bestandsschutz, den der Artikel Fachzahnarzt oder Master erklärt.
Die Stationen bis zur Professur
| Station | Was verlangt wird | Grundlage |
|---|---|---|
| Stelle in der Poliklinik | Approbation; Beispiel Halle (Ausschreibung vom 26.08.2025): ein Jahr allgemeinzahnärztliche Tätigkeit, ein Jahr kieferorthopädische Erfahrung, keine Promotion; Befristung bis zu zwei Jahre, Vergütung bis Entgeltgruppe Ä1 TV-Ärzte | Ausschreibung Uni Halle |
| Promotion | Regelnachweis der besonderen Befähigung zu wissenschaftlicher Arbeit | Art. 57 Abs. 1 BayHIG |
| Fachzahnarzt-Anerkennung | In Bayern bei zahnärztlichen Aufgaben vorgeschrieben (Gesetzeswortlaut: Facharzt-Anerkennung), soweit es für das Fach eine Weiterbildung gibt; Halle verlangt sie ausdrücklich | Art. 57 Abs. 1 Satz 6 BayHIG; Ausschreibung Uni Halle |
| Habilitation oder Gleichwertiges | Habilitation, Juniorprofessur oder gleichwertige Leistungen, auch außerhalb der Hochschule erbracht | Art. 57 Abs. 1 Satz 3 BayHIG |
| Berufung | Ausschreibung, Berufungsverfahren, Ernennung als W2- oder W3-Professor | Landeshochschulgesetz |
Die Tabelle zeigt bayerisches Recht als Beispiel; die übrigen Länder regeln die Einstellungsvoraussetzungen in ihren eigenen Hochschulgesetzen, und die Ausschreibung der einzelnen Universität nennt das verbindliche Profil. Die Poliklinik-Stelle gehört meist zu den Weiterbildungsstätten, die der Artikel KFO-Weiterbildungsstätten in Deutschland auflistet.
Befristung nach dem WissZeitVG
Stellen für wissenschaftliche Mitarbeiter sind in der Regel nach dem Wissenschaftszeitvertragsgesetz befristet. Nach § 2 Abs. 1 WissZeitVG sind bis zu sechs Jahre vor der Promotion zulässig. Nach der Promotion sind es sechs Jahre, im Bereich der Medizin neun Jahre, wenn die Beschäftigung der eigenen Qualifizierung dient. Das Gesetz nennt die Zahnmedizin nicht ausdrücklich; welche Dauer für Deine Stelle gilt, steht im Vertrag, der die Rechtsgrundlage der Befristung angeben muss (§ 2 Abs. 4).
Die Höchstdauer verlängert sich um zwei Jahre je Kind unter 18 Jahren. Alle befristeten Verträge mit mehr als einem Viertel der regelmäßigen Arbeitszeit an deutschen Hochschulen und Forschungseinrichtungen werden angerechnet (Abs. 3). Das Zusammenspiel mit der Promotion erklärt der Artikel Dr. med. dent. parallel zur KFO-Weiterbildung.
Von der Weiterbildung zum Oberarzt
Nach der Fachzahnarztprüfung vor der Landeszahnärztekammer steht die Frage an, ob Du bleibst oder in eine Praxis wechselst. Wer bleibt, übernimmt meist zuerst mehr klinische Verantwortung als Oberarzt in der Poliklinik: eigene Sprechstunde, Anleitung jüngerer Weiterbildungsassistenten, mehr Lehre. Bezeichnung und Aufgaben legt jede Klinik selbst fest. Parallel beginnt die Arbeit an der Habilitation mit Publikationen, Doktorandenbetreuung und ersten Drittmittelanträgen. Wie sich Uniklinik und Praxis im Alltag unterscheiden, beschreibt Uniklinik oder Praxis im KFO-Alltag.
Habilitation und Alternativen
Die Habilitation stellt die Eignung zur Professorin oder zum Professor in einem Fachgebiet förmlich fest (Lehrbefähigung). Sie verlangt eine Habilitationsschrift oder mehrere Fachpublikationen mit entsprechendem Gewicht sowie den Nachweis der Lehreignung. Angenommen wird als Habilitand, wer pädagogisch geeignet ist und eine besondere wissenschaftliche Befähigung besitzt, in der Regel durch die Promotion nachgewiesen. In Bayern ist dieser Status in der Regel auf vier Jahre zuzüglich der Begutachtung begrenzt (Art. 98 BayHIG). Die Einzelheiten regelt jede Fakultät in ihrer Habilitationsordnung; lies sie vor dem Antrag im Original.
Die Habilitation ist nicht der einzige Weg. Das bayerische Gesetz lässt als zusätzliche wissenschaftliche Leistung auch eine Juniorprofessur oder gleichwertige Leistungen gelten. Juniorprofessuren werden dort für bis zu vier Jahre vergeben und können nach Bewährung um drei Jahre verlängert werden (Art. 63 BayHIG). Privatdozenten, die mehrjährig als Hochschullehrer tätig waren, können zum außerplanmäßigen Professor bestellt werden und dürfen dann die Bezeichnung Professor führen (Art. 69 BayHIG).
So läuft eine Berufung ab
Eine Professur wird über ein Berufungsverfahren vergeben, sobald die Stelle frei wird oder neu entsteht, meist als Leitung einer Abteilung für Kieferorthopädie.
- Die Universität schreibt die Professur mit einem Anforderungsprofil aus.
- Kandidaten bewerben sich mit Lebenslauf, Publikationsliste, Drittmitteleinwerbung, Lehrkonzept und klinischem Werdegang.
- Eine Berufungskommission begutachtet, meist mit externen Gutachten.
- Es folgen Probevortrag oder Vorstellungslehrveranstaltung.
- Die Kommission legt einen Berufungsvorschlag vor.
- Nach der Berufungsverhandlung zu Ausstattung und Bezügen erfolgt die Ernennung.
Wie die Ausschreibungen aussehen, zeigt die Medizinische Fakultät der Universität Halle-Wittenberg für die W3-Professur Kieferorthopädie mit Besetzung zum 01.10.2026 (abgerufen am 15.10.2026): Einstellungsvoraussetzungen sind die zahnärztliche Approbation, die Anerkennung als Fachzahnarzt für Kieferorthopädie, die Promotion sowie Habilitation oder gleichwertige wissenschaftliche Leistungen. Die Voraussetzungen zum Erwerb der Weiterbildungsbefugnis sollen gegeben sein, und mit der Professur ist die Leitung der Universitätspoliklinik verbunden. Das bayerische Hochschulrecht schreibt die Facharzt-Anerkennung bei Professuren mit zahnärztlichen Aufgaben ausdrücklich vor, soweit das Fach eine Weiterbildung kennt (Art. 57 Abs. 1 Satz 6 BayHIG). Eine bundeseinheitliche Regel gibt es nicht, weil das Hochschulrecht bei den Ländern liegt. Das Profil der einzelnen Ausschreibung ist deshalb maßgeblich.
Professuren werden nach der Besoldungsordnung W bezahlt. In Bayern liegt das monatliche Grundgehalt nach Anlage 3 BayBesG (abgerufene Beträge, gültig ab 01.02.2025) in W 2 zwischen 6.824,23 und 7.499,05 Euro und in W 3 zwischen 8.038,92 und 8.646,23 Euro; die zweite Stufe folgt nach fünf, die dritte nach weiteren sieben Dienstjahren. Dazu können Berufungs- und Leistungsbezüge kommen. Andere Länder haben eigene Tabellen.
Für wen sich dieser Weg eignet
Die Universitätslaufbahn verlangt über viele Jahre Mehrarbeit neben der Klinik, befristete Verträge und einen offenen Ausgang, denn ob eine Professur frei wird, entscheidet nicht die eigene Leistung allein. Sie passt zu Zahnärzten, die forschen und lehren wollen und mit den Befristungen des WissZeitVG leben können. Wer vor allem behandeln und sich bald selbstständig machen will, findet in Angestellt, Partner oder eigene Praxis die Alternativen.
Der Weg ist keine Einbahnstraße: Von der Universität in die Praxis kannst Du jederzeit wechseln, und Fachzahnarzt-Titel wie Habilitation bleiben bestehen. Für die Weiterbildung bei einer Uniklinik mit Forschung lohnt der Blick auf KFO-Weiterbildungsstelle finden; wer die Stätte später wechseln muss, liest Wechsel der Weiterbildungsstätte.
Weiterlesen: Promotion parallel zur KFO-Weiterbildung · Uniklinik oder Praxis · Alle Karrierewege · KFO-Weiterbildungsstätten in Deutschland
Quellen
- § 2 WissZeitVG: Höchstdauer der Befristung vor und nach der Promotion, Verlängerung je Kind, Anrechnung, Angabe der Rechtsgrundlage im Vertrag.
- Bayerisches Hochschulinnovationsgesetz (BayHIG): Einstellungsvoraussetzungen für Professoren (Art. 57), Juniorprofessur (Art. 63), außerplanmäßige Professur (Art. 69), Habilitation (Art. 98); Text gültig ab 16.05.2026.
- Bayerisches Besoldungsgesetz (BayBesG): Grundgehaltssätze der Besoldungsordnung W in Anlage 3.
- Ausschreibung W3-Professur für Kieferorthopädie, Universität Halle-Wittenberg: Einstellungsvoraussetzungen, Besetzung zum 01.10.2026.
- Externe Stellenausschreibung 7-172/25-H, Universitätspoliklinik für Kieferorthopädie Halle: Beispiel für Voraussetzungen, Befristung und Vergütung einer Zahnarztstelle (veröffentlicht 26.08.2025).
Stand: Oktober 2026.
