Wenn Du Dich für den Weg zum Fachzahnarzt für Kieferorthopädie entschieden hast, brauchst Du vor allem eines: eine Weiterbildungsstelle. Anders als beim Studium gibt es dafür kein zentrales Vergabeverfahren — Du musst wissen, wo überhaupt weitergebildet wird. Dieser Artikel gibt Dir den Überblick über die anerkannten Weiterbildungsstätten in Deutschland und erklärt, warum es für Praxen keine vollständige öffentliche Liste geben kann.
Es geht hier konkret um Weg A, die Fachzahnarzt-Weiterbildung mit Kammerprüfung — den einzigen Weg, der Dir den geschützten Titel „Kieferorthopäde” bzw. „Fachzahnärztin für Kieferorthopädie” einträgt. Wie sich dieser Weg vom Master-Studiengang unterscheidet, liest Du in Fachzahnarzt oder Master: Was ist der Unterschied?.
Die rechtliche Grundlage: Musterweiterbildungsordnung und Landeszahnärztekammern
Die Weiterbildung zum Fachzahnarzt für Kieferorthopädie ist keine bundeseinheitlich geregelte Angelegenheit. Grundlage ist die Musterweiterbildungsordnung (MWBO) der Bundeszahnärztekammer (BZÄK), an der sich die 17 Landeszahnärztekammern orientieren — verbindlich ist aber jeweils die Weiterbildungsordnung der Kammer, in deren Bereich Du Deine Weiterbildung absolvierst.
Im Kern sieht die Weiterbildung so aus: insgesamt vier Jahre, bestehend aus einem allgemein-zahnärztlichen Jahr und drei kieferorthopädisch-fachspezifischen Jahren. Laut Deutscher Gesellschaft für Kieferorthopädie (DGKFO) ist davon mindestens ein Jahr an einer ermächtigten Universitätsklinik zu absolvieren. Die Weiterbildung endet mit einer Prüfung beziehungsweise einem Fachgespräch bei der zuständigen Landeszahnärztekammer — üblicherweise bei der Kammer, in deren Bereich Du den letzten Teil Deiner Weiterbildung abgeleistet hast. Da die Details (etwa zulässige Teilzeitmodelle oder die genaue Aufteilung zwischen Klinik und Praxis) von Kammer zu Kammer variieren können, lohnt sich vorab immer ein Blick in die Weiterbildungsordnung Deiner eigenen Landeszahnärztekammer.
Uniklinik oder Weiterbildungspraxis: zwei sehr unterschiedliche Wege
Für die praktische Weiterbildung stehen Dir zwei Arten von Weiterbildungsstätten offen — mit jeweils eigenen Vor- und Nachteilen.
Universitätsklinik. Die kieferorthopädische Abteilung oder Poliklinik einer zahnmedizinischen Fakultät bildet meist im Rahmen einer wissenschaftlichen Mitarbeiter:innen-Stelle aus. Das bedeutet in der Regel ein breites Patient:innenspektrum, engen Anschluss an Forschung und Lehre und häufig die Möglichkeit zur Promotion oder Habilitation. Der Umkehrschluss: Lehr- und Forschungsverpflichtungen kosten Zeit, die Bezahlung liegt oft unter dem, was eine Praxis zahlt, und die Plätze sind begehrt.
Weiterbildungspraxis. Niedergelassene Kieferorthopäd:innen können von ihrer Landeszahnärztekammer zur Weiterbildung ermächtigt werden. Der Alltag ähnelt stärker der späteren eigenen Niederlassung, der persönliche Kontakt zur Praxisinhaberin oder zum Praxisinhaber ist meist enger, und die Vergütung liegt tendenziell höher. Dafür variiert die Ausbildungsqualität stärker von Praxis zu Praxis, weil sie stark von der Person abhängt, die Dich anleitet.
Viele angehende Kieferorthopäd:innen kombinieren beide Stationen — schon weil die Weiterbildungsordnungen das in der Regel so vorsehen.
Zahnmedizinische Fakultäten mit KFO-Abteilung: die Universitätskliniken im Überblick
Nach Angaben der Deutschen Gesellschaft für Kieferorthopädie (DGKFO), die auf ihrer Website eine Karte und Linkliste aller weiterbildungsermächtigten Universitätskliniken führt, bilden folgende rund 30 Standorte kieferorthopädisch weiter (Stand: Juli 2026, alphabetisch nach Stadt):
- Aachen — Uniklinik RWTH Aachen
- Berlin — Charité – Universitätsmedizin Berlin
- Bonn — Universitätsklinikum Bonn
- Dresden — Universitätsklinikum Carl Gustav Carus Dresden
- Düsseldorf — Universitätsklinikum Düsseldorf
- Erlangen — Uniklinikum Erlangen
- Frankfurt am Main — Universitätsklinikum Frankfurt (Carolinum)
- Freiburg — Universitätsklinikum Freiburg
- Gießen — Universitätsklinikum Gießen und Marburg, Standort Gießen
- Göttingen — Universitätsmedizin Göttingen
- Greifswald — Universitätsmedizin Greifswald
- Halle (Saale) — Universitätsklinikum Halle
- Hamburg — Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE)
- Hannover — Medizinische Hochschule Hannover (MHH)
- Heidelberg — Universitätsklinikum Heidelberg
- Homburg/Saar — Universitätsklinikum des Saarlandes
- Jena — Universitätsklinikum Jena
- Kiel — Universitätsklinikum Schleswig-Holstein, Campus Kiel
- Köln — Uniklinik Köln
- Leipzig — Universitätsklinikum Leipzig
- Mainz — Universitätsmedizin Mainz
- Marburg — Universitätsklinikum Gießen und Marburg, Standort Marburg
- München — Klinikum der Universität München (LMU)
- Münster — Universitätsklinikum Münster
- Regensburg — Universitätsklinikum Regensburg
- Rostock — Universitätsmedizin Rostock
- Tübingen — Universitätsklinikum Tübingen
- Ulm — Universitätsklinikum Ulm
- Witten/Herdecke — Universität Witten/Herdecke
- Würzburg — Universitätsklinikum Würzburg
Damit deckt die Liste praktisch alle zahnmedizinischen Fakultäten Deutschlands ab, die auch eine Fachzahnarzt-Weiterbildung in Kieferorthopädie anbieten. Ob und wie viele Weiterbildungsstellen an einem konkreten Standort aktuell frei sind, ändert sich laufend — für eine verbindliche Auskunft und aktuelle Ansprechpartner:innen führt kein Weg an der Website der jeweiligen Klinik oder einer direkten Initiativbewerbung vorbei.
Warum es keine vollständige Liste ermächtigter Praxen gibt
Anders als bei den Unikliniken gibt es für Weiterbildungspraxen keine zentrale, öffentlich einsehbare Gesamtliste. Der Grund: Die Ermächtigung erteilt jede der 17 Landeszahnärztekammern einzeln und nach eigenen Kriterien, ohne bundesweite Meldepflicht an eine zentrale Stelle. Wer Dir hier trotzdem eine angeblich vollständige Liste verkaufen will, arbeitet mit veralteten oder lückenhaften Daten — das solltest Du kritisch hinterfragen.
Realistischer kommst Du so an ermächtigte Praxen in Deiner Region:
- Bei Deiner Landeszahnärztekammer nachfragen. Manche Kammern führen intern Listen oder können zumindest auf Anfrage Auskunft geben, welche Praxen in ihrem Zuständigkeitsbereich zur Weiterbildung berechtigt sind.
- Fachgesellschaften und Berufsverbände kontaktieren. Die DGKFO und regionale kieferorthopädische Verbände haben oft einen guten Überblick über ausbildende Praxen und veröffentlichen gelegentlich Weiterbildungsstellen.
- Networking während des Studiums nutzen. Famulaturen, Hospitationen und Kontakte aus dem Praktischen Jahr in kieferorthopädischen Praxen sind oft der direkteste Weg — viele Weiterbildungsstellen werden nie öffentlich ausgeschrieben.
Eine ausführliche Anleitung zur Stellensuche findest Du in KFO-Weiterbildungsstelle finden: Wo und wie Du Dich bewirbst.
Und wenn der Fachzahnarzt-Weg nicht Deiner ist?
Wer keinen Fachzahnarzt-Titel anstrebt, sondern sich vor allem fachlich vertiefen möchte, kann alternativ einen Masterstudiengang in Kieferorthopädie absolvieren. Wichtig zu wissen: Ein Master verleiht keinen Anspruch auf die Berufsbezeichnung „Kieferorthopäde” — das hat der Bundesgerichtshof mit Urteil vom 29. Juli 2021 (Az. I ZR 114/20) klargestellt. Mehr dazu und zum Vergleich beider Wege liest Du in Fachzahnarzt oder Master: Was ist der Unterschied?
Stand: Juli 2026. Angaben ohne Gewähr. Quellen: DGKFO – Weiterbildungsermächtigte Universitätskliniken, Musterweiterbildungsordnung der Bundeszahnärztekammer, Weiterbildungsordnungen der Landeszahnärztekammern Hessen und Baden-Württemberg. Für die verbindliche Regelung und aktuelle Kapazitäten wende Dich an Deine zuständige Landeszahnärztekammer bzw. direkt an die jeweilige Universitätsklinik.
