Du dokumentierst die Weiterbildung fortlaufend in der Dokumentationshilfe Deiner Kammer, und der Ermächtigte bestätigt sie mindestens einmal jährlich (MWBO § 2 Abs. 5). Diese Dokumentation gehört mit den Zeugnissen zum Antrag auf Anerkennung (§ 15 Abs. 1 Nr. 2). Wer sie erst im letzten Jahr nachträgt, rekonstruiert vier Jahre Praxisalltag aus dem Gedächtnis. Das Logbuch gehört zu Weg A; für den Master folgt am Ende ein eigener Absatz.

Was die MWBO verlangt

Die Musterweiterbildungsordnung (MWBO) der Bundeszahnärztekammer vom 16.11.2024 regelt die Dokumentation für alle Fachgebiete gleich:

  • Du dokumentierst die vorgeschriebenen Weiterbildungsinhalte fortlaufend in einer analogen oder elektronischen Dokumentationshilfe, die die Kammer vorgibt. Mindestens einmal jährlich bestätigt der Ermächtigte den Weiterbildungsstand. Die Kammer darf Dokumente, Auskünfte und Nachweise anfordern oder Zugang zur elektronischen Dokumentationshilfe verlangen (§ 2 Abs. 5).
  • Nach jedem Weiterbildungsabschnitt, mindestens jedoch einmal jährlich, führt der Ermächtigte mit Dir ein Gespräch über den Stand; Zeitpunkt und Ergebnis kommen in die Dokumentationshilfe (§ 12 Abs. 4).
  • Beim Ausscheiden stellt der Ermächtigte unverzüglich ein qualifiziertes Zeugnis aus, auf Anforderung binnen drei Monaten (§ 12 Abs. 5).
  • Der Kompetenzkatalog in Anlage 2 nennt für einzelne Kompetenzen Richtzahlen, zum Beispiel 150 ausgewertete Orthopantomogramme und 120 Fernröntgenseitenbilder; die Auswertung von Kiefermodellpaaren und Fotografien ist mit je 150 angesetzt.

Die MWBO ist eine Empfehlung. Wie die Dokumentation aussieht und welche Zahlen gelten, regelt die Ordnung Deiner Kammer (Kammervergleich).

Wie die Kammern es handhaben

OrdnungWas dokumentiert oder nachgewiesen wird
BayernZum Antrag gehören eine Liste der hauptsächlich behandelten Patienten (50) mit Anomalie und Behandlungsstatus, eine Liste von zwölf Patientenfällen und die Curriculumzertifikate; die Anlage 1 zur Ordnung verlangt mehrere „Mindestzahlen“, nennt aber keine Werte (Anlage 1 zu § 20 Abs. 2 WBO Bayern)
Baden-WürttembergDie Praxis führt ein Protokoll mit der Zahl der Patienten in aktiver Behandlung, den Krankheitsbildern, den Methoden, den durchbehandelten Fällen und den von Dir selbst behandelten Fällen. Für eine dreijährige Ermächtigung muss sie Dir in den ersten beiden fachspezifischen Jahren je mindestens 100, im dritten mindestens 150 eigene Patienten zur aktiven Behandlung ermöglichen (Richtlinien für die Erteilung der Ermächtigung, Fassung 09/2020)
ThüringenIm Fachgespräch präsentierst Du drei eigene Fälle und erarbeitest eine Fallplanung
BerlinDokumentationshilfe als Nachweis der Inhalte (§ 2 Abs. 1); Fallkataloge verbleiben in der Prüfungsakte (§ 18 Abs. 1); die Mitarbeit an Forschungsprojekten ist in der Dokumentationshilfe zu belegen (Anlage 1 Ziff. 2.4)
Niedersachsenanaloge oder elektronische Dokumentationshilfe, sobald die Kammer sie bereitstellt (§ 2 Abs. 5)

Die Baden-Württemberger Zahlen sind eine Anforderung an die Praxis, keine Prüfungsvoraussetzung für Dich. Eine feste Mindestfallzahl als Prüfungsvoraussetzung nennt keine der hier ausgewerteten Ordnungen; die Prüfung stützt sich auf Zeugnisse, Dokumentation und das Fachgespräch (Ablauf der Fachzahnarztprüfung).

Beispielstruktur eines Logbuch-Eintrags

Die Form gibt Deine Kammer vor. Eine Struktur, die die genannten Bestandteile abdeckt, kann so aussehen (Muster, keine Vorgabe einer Kammer):

DatumFall-Nr. (pseudonymisiert)DiagnoseApparaturPhaseGegenzeichnung
Tag der Eintragunglaufende Nummer statt NameBefund nach der Klassifikation Deiner Kammerherausnehmbar, festsitzend, funktionskieferorthopädisch oder kombiniertPlanung, aktive Behandlung oder RetentionKürzel des Ermächtigten

Die Dokumentationshilfe Deiner Kammer hat Vorrang vor dieser Vorlage. Als eigene Notizen eignet sie sich, wenn Du die Einträge später in die Kammerform übertragen willst.

So führst Du das Logbuch

  1. Trag jeden Fall am selben Tag ein, an dem er beginnt oder sich der Behandlungsstatus ändert.
  2. Nutze die Dokumentationshilfe der Kammer, nicht eine eigene Excel-Tabelle als Hauptsystem. Die MWBO lässt analoge und elektronische Formen zu (§ 2 Abs. 5); Niedersachsen sieht eine elektronische Dokumentationshilfe vor, sobald die Kammer sie bereitstellt.
  3. Lass Dir die Einträge gegenzeichnen. Pflicht ist die Bestätigung mindestens einmal jährlich (MWBO § 2 Abs. 5); häufigere Gegenzeichnung, etwa nach jedem Abschnitt oder quartalsweise, ist eine Empfehlung, keine Vorgabe, hilft aber, Lücken früh zu sehen.
  4. Sichere Zeugnisse und Dokumentation. Verlass Dich nicht allein auf das Praxissystem, falls die Praxis schließt oder Du die Stätte wechselst. Eine eigene Kopie enthält Patientendaten: Sie unterliegen der Schweigepflicht und dem Datenschutz. Arbeite deshalb mit Fallnummern statt Namen und kläre mit der Praxis, welche Kopien Du mitnehmen darfst.
  5. Frag früh nach, welche Angaben Deine Kammer genau verlangt. Eine Dokumentation, die über Jahre falsch geführt wurde, lässt sich nur mühsam korrigieren.

Bei einem Wechsel nimmst Du Zeugnis und Dokumentation mit, siehe Wechsel der Weiterbildungsstätte. In Teilzeit verteilen sich die geforderten Inhalte über einen längeren Zeitraum (Teilzeit in der KFO-Weiterbildung). Bei der Stellensuche lohnt die Frage, wie die Praxis die Dokumentation organisiert.

Gilt das auch für den Master?

Nein. Das Logbuch gehört zur Kammerweiterbildung. Master-Programme verlangen eigene Nachweise, etwa Modulprüfungen oder eine Abschlussarbeit, die der Anbieter festlegt. Der Master führt nicht zum Titel „Kieferorthopäde“. Kieferorthopädisch behandeln darf berufsrechtlich jeder approbierte Zahnarzt. Zulasten der gesetzlichen Krankenkassen gilt seit dem 30.07.2026 ein Fachzahnarztvorbehalt mit Übergangsfrist bis einschließlich 29.07.2030 und Bestandsschutz für Master-Absolventen; die Einzelheiten stehen in Fachzahnarzt oder Master: Wer darf sich „Kieferorthopäde“ nennen?.

Weiterlesen: Ablauf der Fachzahnarztprüfung Kieferorthopädie, Weiterbildung abgebrochen: Was mit den bisherigen Zeiten passiert, Kieferorthopäde werden: Der komplette Weg.

Quellen

Stand: Oktober 2026.