Rund 30 zahnmedizinische Fakultäten in Deutschland bilden zum Fachzahnarzt für Kieferorthopädie weiter – welche das sind und warum es für Weiterbildungspraxen keine vergleichbare Liste gibt, steht ausführlich in Alle KFO-Weiterbildungsstätten in Deutschland. Dieser Artikel dupliziert diese Liste nicht, sondern geht einen Schritt weiter: Wie ist eine KFO-Abteilung an einer Uniklinik überhaupt organisiert, wie erfährst Du praktisch von einer offenen Stelle, und was unterscheidet die Bewerbung dort von einer Bewerbung bei einer niedergelassenen Praxis?

Es geht dabei ausschließlich um Weg A, die Fachzahnarzt-Weiterbildung mit Kammerprüfung. Wer stattdessen einen Master in Kieferorthopädie erwägt, findet den Vergleich beider Wege in Fachzahnarzt oder Master: Wer darf sich „Kieferorthopäde” nennen?

Wie eine KFO-Abteilung an der Uniklinik aufgebaut ist

An der Spitze steht meist eine Universitätsprofessur: die Direktorin oder der Direktor der Poliklinik bzw. Abteilung für Kieferorthopädie, häufig eingebettet in eine größere Klinik oder ein Zentrum für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde (ZZMK). Diese Person leitet Krankenversorgung, Lehre und Forschung gemeinsam und ist in aller Regel auch für die Ausgestaltung der Weiterbildung verantwortlich.

Darunter arbeiten Oberärzt:innen, die den klinischen Alltag organisieren und Weiterbildungsassistent:innen fachlich anleiten. Die eigentliche Weiterbildungsstelle ist an vielen Standorten aber nicht als eigene Kategorie ausgeschrieben, sondern läuft über eine Stelle als wissenschaftliche:r Mitarbeiter:in – oft in Teilzeit oder als halbe Stelle, kombiniert mit der praktischen Weiterbildung. Diese Konstruktion ist der zentrale Unterschied zur Weiterbildungspraxis und prägt sowohl die Bezahlung als auch die Anforderungen an Deine Bewerbung, dazu gleich mehr.

Wo Du von offenen Stellen erfährst

Anders als bei vielen Praxisstellen tauchen KFO-Weiterbildungsstellen an Unikliniken selten auf klassischen zahnärztlichen Stellenportalen auf. Stattdessen läuft die Suche über zwei parallele Kanäle:

  • Das Karriere- oder Bewerberportal der Universität bzw. des Universitätsklinikums. Größere Häuser wickeln Bewerbungen ausschließlich digital über ein zentrales Portal ab – Bewerbungen per E-Mail werden dort teils ausdrücklich nicht berücksichtigt. Die konkrete Abteilung für Kieferorthopädie taucht in diesen Portalen unter der jeweiligen Klinik oder dem Institut auf, nicht unter einem bundesweit einheitlichen Stellentitel.
  • Die Initiativbewerbung direkt beim Sekretariat der Abteilung. Weil viele Stellen intern nachbesetzt werden, bevor sie überhaupt öffentlich ausgeschrieben sind, listen etliche Kliniken auf ihrer Website einen direkten Ansprechpartner oder eine eigene Adresse für Initiativbewerbungen. Wer sich nur auf ausgeschriebene Stellen verlässt, sieht einen Teil der tatsächlich verfügbaren Plätze gar nicht.

Praktisch heißt das: Es lohnt sich, die Karriereseiten mehrerer Unikliniken parallel im Blick zu behalten und zusätzlich proaktiv bei der jeweiligen Abteilung anzufragen – auch ohne konkrete Ausschreibung. Wie Du das systematisch angehst, inklusive Ansprache von Weiterbildungspraxen, liest Du in KFO-Weiterbildungsstelle finden: Wo und wie Du Dich bewirbst.

Was die Bewerbung an der Uniklinik von einer Praxis unterscheidet

Bei einer Praxis zählt vor allem klinisches Interesse und ein guter persönlicher Eindruck im Vorstellungsgespräch. An der Uniklinik kommt eine wissenschaftliche Komponente hinzu, die Deine gesamte Bewerbung prägt:

  • Wissenschaftlicher Lebenslauf statt reinem Bewerbungsschreiben. Gefragt sind neben Zeugnissen häufig auch Angaben zu Publikationen, Vorträgen oder Forschungsinteressen – selbst wenn Du noch am Anfang Deiner wissenschaftlichen Laufbahn stehst.
  • Die Promotion spielt eine größere Rolle. An manchen Standorten wird eine abgeschlossene Dissertation als Bewerbungsvoraussetzung genannt, weil die Stelle direkt an eine wissenschaftliche Mitarbeiter:innen-Position gekoppelt ist. Das ist nicht überall so streng geregelt, aber deutlich häufiger als bei einer Praxisstelle, wo die Promotion meist nur ein Pluspunkt ist.
  • Lehr- und Forschungsverpflichtung neben der Patientenbehandlung. Seminare, Betreuung von Studierenden am Behandlungsstuhl oder eigene Forschungsprojekte gehören zum Stellenprofil dazu – Zeit, die in einer reinen Praxisstelle komplett für die klinische Weiterbildung zur Verfügung stünde.
  • Vergütung nach Tarif statt freier Verhandlung. Wissenschaftliche Mitarbeiter:innen-Stellen an staatlichen Hochschulen werden nach dem Tarifvertrag der Länder (TV-L) vergütet, nicht individuell verhandelt wie in vielen Praxen. Was das für Dein Gehalt während der Weiterbildung konkret bedeutet, findest Du in Gehalt und Kosten der KFO-Weiterbildung.
  • Formalisiertes Bewerbungsverfahren. Digitales Portal, feste Fristen, klar definierte Unterlagenliste – das steht im Kontrast zur oft formlosen, direkten Bewerbung bei einer Praxis.

Kapazitäten: was öffentlich bekannt ist – und was nicht

Eine ehrliche Einordnung gehört hierher: Eine öffentlich zugängliche, verlässliche Übersicht darüber, wie viele KFO-Weiterbildungsplätze die einzelnen Unikliniken tatsächlich vorhalten, existiert nicht. Weder die DGKFO noch die einzelnen Fakultäten veröffentlichen Zahlen zu Ausbildungskapazitäten pro Standort. Was öffentlich zugänglich ist, ist lediglich die Liste der Standorte selbst, die in Alle KFO-Weiterbildungsstätten in Deutschland zusammengestellt ist.

Das hat einen nachvollziehbaren Grund: Die Zahl besetzbarer Stellen hängt an jedem einzelnen Standort von Stellenplan, Drittmittelprojekten, Auslastung der Klinik und schlicht davon ab, wie viele Weiterbildungsassistent:innen gerade fertig werden und Plätze freimachen. Diese Größen ändern sich mehrmals im Jahr und würden eine veröffentlichte Zahl sofort wieder veralten lassen. Wer eine verbindliche Aussage zur aktuellen Kapazität an einem bestimmten Standort braucht, bekommt sie nur durch direkte Anfrage bei der jeweiligen Abteilung – nicht durch eine Internetrecherche.

Vorsicht ist bei Quellen geboten, die trotzdem konkrete Platzzahlen pro Uniklinik nennen: Ohne Verweis auf eine offizielle, aktuelle Quelle handelt es sich dabei bestenfalls um veraltete Momentaufnahmen, nicht um verlässliche Planungsgrundlagen.

So gehst Du am besten vor

Weil weder Kapazitäten noch alle offenen Stellen öffentlich einsehbar sind, lohnt sich ein mehrgleisiges Vorgehen:

  1. Beobachte die Karriereportale mehrerer Unikliniken parallel, nicht nur Deines Wunschstandorts.
  2. Schreib die Abteilungen aktiv und mit Initiativbewerbung an, auch ohne laufende Ausschreibung.
  3. Nutze Famulaturen, Hospitationen und Kontakte aus dem Praktischen Jahr, um frühzeitig sichtbar zu werden – an der Uniklinik zählt persönliche Bekanntheit mit dem Team oft genauso viel wie die Bewerbungsunterlagen.
  4. Sei beim Standort flexibel. Wer sich nur auf ein oder zwei Wunschkliniken festlegt, wartet in aller Regel deutlich länger als jemand, der bundesweit sucht.

Wie sich der Arbeitsalltag an einer Uniklinik gegenüber einer Praxis konkret anfühlt, beschreibt Was macht ein Kieferorthopäde? Berufsbild und Praxisalltag. Und wer nach der Weiterbildung an der Hochschule bleiben möchte, findet einen ersten Überblick über mögliche Laufbahnen in Angestellt, Partner oder eigene Praxis: Alle Karrierewege in der Kieferorthopädie.


Stand: Juli 2026. Angaben ohne Gewähr. Quellen: DGKFO – Weiterbildungsermächtigte Universitätskliniken, Musterweiterbildungsordnung der Bundeszahnärztekammer sowie exemplarisch die Karriere- und Bewerbungsseiten der Unikliniken Charité Berlin, Freiburg, Köln und Hamburg-Eppendorf (UKE) zu Organisation und Bewerbungsverfahren. Zu Ausbildungskapazitäten liegen keine öffentlichen Zahlen vor – für eine verbindliche Auskunft wende Dich direkt an die jeweilige Universitätsklinik.