Kieferorthopäd:innen befassen sich mit der Diagnose, Vorbeugung und Behandlung von Zahn- und Kieferfehlstellungen. Der Praxisalltag unterscheidet sich dadurch spürbar vom klassischen Bild des „Zahnarztes mit Bohrer” — im Zentrum steht die Planung und Steuerung langfristiger Behandlungsverläufe.
Der Alltag, den dieser Artikel beschreibt, gilt in der Praxis für beide Wege in die Kieferorthopädie: sowohl für Fachzahnärzt:innen mit abgeschlossener Weiterbildung (Weg A) als auch für Zahnärzt:innen mit Master oder Zusatzqualifikation Kieferorthopädie (Weg B) — behandeln dürfen beide, unterschiedlich ist nur, welchen Titel sie führen und wie sie damit werben dürfen. Details dazu in Fachzahnarzt oder Master: Wer darf sich „Kieferorthopäde“ nennen?
Typische Behandlungen
- Feste Zahnspangen (Brackets): Nach wie vor die klassische Behandlungsform, vor allem bei stärkeren Fehlstellungen.
- Herausnehmbare Zahnspangen: Häufig in früheren Behandlungsphasen oder bei leichteren Fällen eingesetzt.
- Aligner-Schienen: Nahezu unsichtbare, herausnehmbare Schienen, die in den letzten Jahren stark an Bedeutung gewonnen haben — vor allem bei erwachsenen Patient:innen.
- Interdisziplinäre Behandlung bei starken Kieferfehlstellungen: In enger Abstimmung mit der Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie, wenn eine rein kieferorthopädische Korrektur nicht ausreicht.
Wer die Patient:innen sind
Klassischerweise beginnt eine kieferorthopädische Behandlung im Kindes- oder Jugendalter, oft ausgelöst durch eine Überweisung des Hauszahnarztes. Ein wachsender Teil der Praxis entfällt inzwischen aber auf Erwachsene, die sich aus ästhetischen oder funktionellen Gründen (etwa bei Kiefergelenkbeschwerden) für eine Behandlung entscheiden — begünstigt auch durch unauffällige Aligner-Systeme.
Praxisalltag: Planung statt Akutbehandlung
Anders als in der Allgemeinzahnmedizin dominieren in der Kieferorthopädie keine kurzfristigen Akutfälle, sondern langfristig geplante Behandlungsverläufe, die sich über Monate bis Jahre erstrecken. Ein typischer Behandlungstag besteht aus:
- Erstberatung und Diagnostik (Röntgenbilder, Abdrücke bzw. digitale Scans, Modellanalyse)
- Erstellung eines individuellen Behandlungsplans
- regelmäßigen Kontrollterminen zur Anpassung der Apparaturen
- enger Abstimmung mit überweisenden Zahnärzt:innen und ggf. Kieferchirurg:innen
Selbstständig oder angestellt
Nach Weg A oder Weg B arbeiten Kieferorthopäd:innen entweder angestellt — etwa in einer bestehenden KFO-Praxis, einem Medizinischen Versorgungszentrum (MVZ) oder an der Universität — oder machen sich mit einer eigenen Praxis selbstständig. Mehr dazu, was das für Gehalt und Praxisgründung bedeutet, liest Du in Was verdient ein Kieferorthopäde? und Eigene KFO-Praxis gründen oder übernehmen.
Stand: Juli 2026.
