Digitale Abformung per Intraoralscanner ist in der Kassen-KFO eine Mehrleistung: Seit dem 01.07.2023 kannst Du sie neben BEMA-Nr. 7a mit dem Versicherten vereinbaren, bis zu dreimal je Behandlung, bei kombinierter kieferorthopädisch-kieferchirurgischer Behandlung bis zu viermal. Daneben stehen Planungssoftware, 3D-Druck und DVT, für die Weiterbildungsordnung, Steuerrecht und Datenschutz eigene Vorgaben machen.
Technik im Überblick
Wie weit digitale Technik in Zahnarztpraxen verbreitet ist, zeigt eine Befragung der Universitäten Gießen und Kiel mit 1.005 ausgewerteten Fragebögen, erhoben 2023 und von zm-online am 05.11.2025 berichtet: 27 % der Befragten hatten einen Intraoralscanner, 15 % eine CAD/CAM-Fräse und 5 % einen 3D-Drucker. Die Befragung betrifft alle Zahnarztpraxen und weist kieferorthopädische Praxen nicht gesondert aus.
| Technik | Zweck | Relevanz für Weiterbildung und Praxis |
|---|---|---|
| Intraoralscanner | digitale Abformung statt Abdruck | Mehrleistung nach Anlage B BMV-Z; MWBO: Abformungen konventionell und digital |
| Planungssoftware | Simulation und Visualisierung von Zahnbewegungen, Grundlage für Schienen | MWBO: Analyse von Zahnbewegungssimulationen; das virtuelle Behandlungsziel kontrollierst Du selbst |
| 3D-Druck im Praxislabor | Modelle und Hilfsmittel | selbst hergestellte kieferorthopädische Apparate sind nicht umsatzsteuerfrei (§ 4 Nr. 14 Buchst. a Satz 2 UStG) |
| DVT, Fernröntgen | 3D-Bildgebung, Kephalometrie | MWBO: Sach- und Fachkunde DVT; Richtlinie: bei der Röntgendarstellung aller Zähne ein strahlenreduziertes Verfahren bevorzugen |
Die Software ersetzt die fachliche Beurteilung nicht. Nach der DGKFO-Stellungnahme zur Aligner-Behandlung bleibt der Kieferorthopäde für den Behandlungserfolg verantwortlich, vor allem für die Kontrolle des virtuellen Behandlungsziels. Die MWBO verlangt außerdem, die Grenzen der Analyse von Wachstum und Behandlung einschließlich computergestützter Vorhersagen zu kennen. Wie sich Aligner und festsitzende Apparaturen unterscheiden, steht in Aligner oder feste Apparatur.
Datenschutz und Schweigepflicht
Scans, Röntgenbilder und Behandlungsdaten sind Gesundheitsdaten. Art. 9 Abs. 1 DSGVO untersagt ihre Verarbeitung grundsätzlich; Abs. 2 Buchst. h erlaubt sie unter anderem für die Versorgung und Behandlung im Gesundheitsbereich, vorbehaltlich der dort genannten Bedingungen. Als Zahnarzt unterliegst Du außerdem § 203 Abs. 1 StGB: Das unbefugte Offenbaren eines anvertrauten Geheimnisses ist strafbar. Gegenüber sonstigen Personen, die an Deiner Tätigkeit mitwirken, etwa einem Labor, einem IT-Dienstleister oder einem Cloud-Anbieter, darfst Du Geheimnisse offenbaren, soweit das für deren Mitwirkung erforderlich ist (Abs. 3). Du musst dafür sorgen, dass diese Personen zur Geheimhaltung verpflichtet sind (Abs. 4). Für den Datenaustausch mit dem Labor heißt das: Auftrags- und Geheimhaltungsregelungen gehören zur digitalen Praxisausstattung.
Fragen für die Wahl der Weiterbildungsstätte
Wenn Du Dich auf eine Stelle bewirbst, zeigen diese Fragen, wie digital eine Stätte arbeitet:
- Welche Scanner, Planungsprogramme und Drucker setzt die Stätte ein, und lernst Du alle selbst anzuwenden?
- Wer prüft und gibt das virtuelle Behandlungsziel frei, und wie wird das dokumentiert?
- Wohin gehen die Patientendaten (Labor, Anbieter, Cloud), und welche Geheimhaltungsvereinbarungen bestehen?
- Wie oft wird digital abgeformt, und wie läuft die Aufklärung zur Mehrleistung bei Kassenpatienten ab?
- Gibt es eine strukturierte Einarbeitung, zum Beispiel für DVT?
Die Weiterbildungsstätten und Bewerbungswege beschreibt Alle KFO-Weiterbildungsstätten in Deutschland. Für die Finanzplanung einer eigenen Praxis siehe Praxis gründen oder übernehmen; Preise für Geräte hängen vom Hersteller und Vertragsmodell ab und stehen in Angeboten der Anbieter.
Digitale Technik und Qualifikationsweg
Die fachliche Verantwortung für Diagnose und Behandlungsplan liegt bei Dir, ob Du die vierjährige Fachzahnarzt-Weiterbildung durchlaufen oder einen Master gemacht hast. Einen Unterschied gibt es nur bei den Kassenpatienten, für die seit dem 30.07.2026 der Fachzahnarztvorbehalt gilt. Seine Ausnahmen erklärt Fachzahnarzt oder Master in Kieferorthopädie. Was ein Kieferorthopäde im Alltag sonst tut, zeigt Was macht ein Kieferorthopäde?.
Weiterlesen: Aligner oder feste Apparatur: der Vergleich aus Behandlerperspektive und Steuern für selbstständige Kieferorthopäden.
Quellen
- Bewertungsausschuss, Beschluss zum Katalog kieferorthopädischer Mehrleistungen und Zusatzleistungen, 24.04.2023, in Kraft 01.07.2023 (PDF): digitale Abformung als Mehrleistung, bis zu dreimal bzw. viermal.
- Bundesmantelvertrag-Zahnärzte, Gesamtausgabe 01.04.2026 (PDF): Anlage B, Katalog kieferorthopädischer Mehrleistungen und Zusatzleistungen.
- § 29 SGB V, Kieferorthopädische Behandlung: Mehrleistungen, Aufklärung und Vereinbarung.
- Musterweiterbildungsordnung der Bundeszahnärztekammer, 16.11.2024 (PDF): Anlage 2, Kompetenzkatalog zu digitaler Abformung, Zahnbewegungssimulationen, DVT.
- G-BA, Kieferorthopädie-Richtlinien (PDF): Abschnitt B Nr. 5, Befundunterlagen und strahlenreduziertes Aufnahmeverfahren.
- DGKFO, Stellungnahme zur Behandlung mit Alignern, Januar 2010 (PDF): Verantwortung des Behandlers für das virtuelle Behandlungsziel.
- Verordnung (EU) 2016/679 (DSGVO), Art. 9: Verarbeitung von Gesundheitsdaten.
- § 203 StGB, Verletzung von Privatgeheimnissen: Schweigepflicht, mitwirkende Personen.
- § 4 UStG: Nr. 14 Buchst. a Satz 2, im Unternehmen hergestellte kieferorthopädische Apparate.
- zm-online, Studie: Wie digital ist die Zahnmedizin in Deutschland, 05.11.2025: Verbreitung von Scanner und 3D-Drucker in Zahnarztpraxen (Befragung 2023, Sekundärquelle).
Stand: Oktober 2026.
