Eine bundesweit gültige Weiterbildungsordnung für Kieferorthopädie gibt es nicht. Jede der 17 Landeszahnärztekammern hat ihre eigene. Als gemeinsames Vorbild dient die Musterweiterbildungsordnung (MWBO) der Bundeszahnärztekammer vom 16.11.2024, verbindlich ist aber nur die Ordnung der Kammer, bei der Du Deine Weiterbildung absolvierst. Wer das übersieht, plant mit falschen Fristen oder falschen Anrechnungszeiten.

Verglichen werden hier die MWBO und die Ordnungen von Bayern, Baden-Württemberg, Nordrhein, Berlin und Niedersachsen (Stand Oktober 2026). Die übrigen zwölf Kammern sind nicht ausgewertet; für sie gilt, was in ihrer eigenen Ordnung steht. Für den Master (Weg B) gibt es keine Weiterbildungsordnung, weil er ein Studiengang ist. Was er erlaubt und was sich seit dem 30.07.2026 bei Kassenleistungen geändert hat, erklärt Fachzahnarzt oder Master.

Die Musterweiterbildungsordnung der BZÄK

Die Bundesversammlung der Bundeszahnärztekammer hat die MWBO am 16.11.2024 beschlossen. Bindend wird sie erst, wenn eine Landeszahnärztekammer sie als eigene Ordnung erlässt. Niedersachsen hat den Aufbau der MWBO mit seiner Ordnung vom 18.06.2026 weitgehend übernommen; Bayern arbeitet mit einer Fassung von 2016, Nordrhein mit einer von 2003.

Für die Kieferorthopädie sieht die MWBO in Anlage 2 und im allgemeinen Teil vor:

  • mindestens drei fachspezifische Jahre; davon unabhängig ist ein allgemeinzahnärztliches Jahr nachzuweisen, das vor dem Beginn der fachspezifischen Zeit liegen sollte (Ziff. 2.1)
  • zwei der drei Jahre ohne Unterbrechung an einer Weiterbildungsstätte (Ziff. 2.2)
  • mindestens zwölf Monate an einer kieferorthopädischen Abteilung einer Uniklinik oder einer anderen Stätte, an der interdisziplinär behandelt wird, die Ermächtigten in Lehre und Forschung eingebunden sind und die Inhalte wissenschaftlich eingeordnet werden; das ist auch über Kooperationen möglich (Ziff. 2.3)
  • Abschluss innerhalb von acht Jahren als Sollvorschrift (§ 3 Abs. 4); Abschnitte an einer Stätte mindestens sechs Monate (§ 3 Abs. 5)
  • Teilzeit mit mindestens der Hälfte der üblichen Wochenarbeitszeit bei gleicher Gesamtdauer und Qualität (§ 3 Abs. 3)
  • mündliche Prüfung von 45 bis 60 Minuten mit höchstens drei Prüflingen (§ 16 Abs. 1)

Die zwei Jahre am Stück und die zwölf Monate an der Uni-Abteilung sind zwei getrennte Anforderungen. Beide liegen innerhalb der drei fachspezifischen Jahre; die zwölf Monate sind also nicht ein Teil der zwei Jahre, sondern eine eigene Mindestzeit.

Was in allen fünf Ordnungen gleich ist

  • Die Weiterbildung beginnt erst nach der Approbation.
  • Sie endet mit einer mündlichen Prüfung vor einem Ausschuss der Kammer.
  • Zeiten in der eigenen Praxis zählen nicht als Weiterbildungszeit. Berlin lässt daneben eine eigene Tätigkeit von höchstens 13 Wochenstunden zu, wenn die Niederlassung seit mindestens drei Jahren besteht (§ 2 Abs. 4 WBO Berlin).
  • Teilzeit ist möglich und verlängert die Gesamtdauer; sie muss bei der Kammer angezeigt, beantragt oder genehmigt werden.
  • Den Titel „Fachzahnarzt für Kieferorthopädie“ oder „Kieferorthopäde“ darf nur führen, wer die Anerkennung einer Zahnärztekammer hat (MWBO § 1 Abs. 3). Den Hintergrund erklärt Fachzahnarzt oder Master; den gesamten Weg zeigt Der Weg zum Kieferorthopäden.

Die Ordnungen im Vergleich

OrdnungDauerFristTeilzeitAnrechnung Uniklinik und PraxisPrüfung
MWBO 2024 (Empfehlung)3 fachspezifische Jahre plus 1 allgemeinzahnärztliches Jahr8 Jahre (Soll)mindestens die Hälfte der Wochenarbeitszeitkeine Höchstgrenzen; 2 Jahre am Stück an einer Stätte, 12 Monate Uni oder vergleichbar45 bis 60 Minuten, höchstens 3 Prüflinge
Bayern (Fassung ab 01.04.2016)mindestens 4 Jahre, beginnend mit dem allgemeinzahnärztlichen Jahr7 Jahre für die 3 fachspezifischen Jahremindestens die Hälfte, mit vorheriger Zustimmung der Kammerbis zu 3 Jahre bei einer ermächtigten Stätte, ohne Unterschied zwischen Uni und Praxis45 Minuten, höchstens 4 Prüflinge
Baden-Württemberg (Fassung 10/2021)mindestens 4 Jahre, davon 3 fachspezifisch; die Reihenfolge ist nicht vorgeschriebenZeiten, die bei Antragstellung länger als 6 Jahre zurückliegen, zählen in der Regel nichtmindestens die Hälfte, Antrag vor Beginnmindestens 1 Jahr an Uni-Abteilung, Klinik oder einer für 3 Jahre ermächtigten Praxis; Ermächtigungen für 2 oder 3 Jahrein der Regel 60 Minuten, Einzelgespräch
Nordrhein (Fassung 2003)3 Jahre, kein eigenes allgemeinzahnärztliches Jahrkeine Frist, die Weiterbildung soll kontinuierlich erfolgenmindestens die Hälfte, in persönlich begründeten Fällen; vorher anzeigen und bestätigen lassenUni bis 3 Jahre, Praxis bis 2 Jahrein der Regel 30 Minuten, höchstens 4 Prüflinge
Berlin (WBO 2019, in Kraft seit 18.12.2021)3 fachspezifische Jahre; 12 Monate allgemeinzahnärztliche Tätigkeit in Vollzeit vor Beginn7 Jahre ab Registrierungmindestens 20 Wochenstunden; vorher anzeigen und registrieren lassenUni, Krankenhausabteilung oder vergleichbar bis 3 Jahre; niedergelassene Fachzahnärzte bis 2 Jahrein der Regel höchstens 60 Minuten
Niedersachsen (WBO vom 18.06.2026)3 fachspezifische Jahre plus 1 allgemeinzahnärztliches Jahr8 Jahre (Soll)mindestens die Hälfte, Anzeige bei der KammerStätte ohne Uniklinik grundsätzlich 2 Jahre, 3 Jahre nur unter Zusatzbedingungen30 bis 60 Minuten, dazu 30 Minuten Vorbereitungszeit

Die Paragrafen stehen in den Ordnungen selbst; die Links dazu findest Du unter „Quellen“. Die Nordrhein-Zeile gibt die seit dem 02.09.2003 geltende Fassung wieder, die die Kammer im Oktober 2026 weiterhin als gültig führt.

Wo die Ordnungen abweichen

Dauer und allgemeinzahnärztliches Jahr

Die MWBO verlangt mindestens drei fachspezifische Jahre plus ein allgemeinzahnärztliches Jahr, zusammen vier Jahre (Anlage 2). Nordrhein verlangt drei Jahre ohne eigenes allgemeinzahnärztliches Jahr (§ 8 Abs. 4 WBO Nordrhein). In Berlin müssen die zwölf allgemeinzahnärztlichen Monate vor dem Beginn liegen und sind dann das allgemeinzahnärztliche Jahr, kein fünftes (§ 1 Abs. 2 WBO Berlin). Die Zeit darf in Berlin nicht in einer Fachzahnarztpraxis liegen. Bayern lässt die Weiterbildung mit dem allgemeinzahnärztlichen Jahr beginnen (§ 2 Abs. 6 WBO Bayern). Die Baden-Württemberger Ordnung nennt das Jahr, regelt aber nicht, vor welchem Abschnitt es liegen muss (§ 2 Abs. 5, § 10 WBO BW).

Fristen

Eine Frist ist nur mit ihrer Bezugsgröße verständlich. Die MWBO sieht acht Jahre vor, aber nur als Sollvorschrift (§ 3 Abs. 4). Bayern verlangt den Abschluss der dreijährigen fachspezifischen Weiterbildung innerhalb von sieben Jahren und lässt auf Antrag Ausnahmen aus familiären, gesundheitlichen oder sonstigen wichtigen Gründen zu (§ 2 Abs. 5 WBO Bayern). Berlin zählt sieben Jahre ab der Registrierung bei der Kammer, und die Frist gilt entsprechend auch in Teilzeit (§ 3 Abs. 3 und 7 WBO Berlin). Baden-Württemberg kennt keine Gesamtfrist, rechnet aber rückwärts, denn Weiterbildungszeiten, die bei der Antragstellung länger als sechs Jahre zurückliegen, können in der Regel nicht berücksichtigt werden (§ 2 Abs. 4 WBO BW). Wie sich das mit Teilzeit und Elternzeit verträgt, steht in Teilzeit in der KFO-Weiterbildung.

Anrechnung von Uniklinik und Praxis

Nordrhein und Berlin rechnen die Uni-Abteilung bis zu drei Jahre an, die ermächtigte Praxis bis zu zwei. Bayern kennt für die Kieferorthopädie nur eine Grenze von drei Jahren bei jeder ermächtigten Stätte (§ 22 WBO Bayern). Niedersachsen setzt für Stätten ohne Uniklinik grundsätzlich zwei Jahre an und erlaubt drei nur, wenn zusätzliche Bedingungen erfüllt sind (Anlage 2 Ziff. 4.4). Baden-Württemberg arbeitet mit Ermächtigungen für zwei oder drei Jahre je Praxis. Wie Du den Ermächtigungsumfang einer Praxis herausfindest, beschreibt Weiterbildungsermächtigung prüfen.

Besonderheiten einzelner Kammern

  • Bayern: Zusätzlich zur Praxiszeit ist eine klinische Weiterbildungsmaßnahme von mindestens 1.200 Stunden nachzuweisen, davon 800 Stunden in organisierten Veranstaltungen und der Rest als dokumentiertes Eigenstudium (§ 20 Abs. 3). Wer ermächtigt werden will, muss in den fünf Jahren vor dem ersten Antrag in eigener Praxis oder an einer Uni-Poliklinik ausschließlich kieferorthopädisch tätig gewesen sein (§ 21 Abs. 1).
  • Baden-Württemberg: Die Weiterbildung kann auf Antrag bis zu einem Jahr unterbrochen werden (§ 3 Abs. 1). Fehlzeiten bis zu sechs Wochen werden angerechnet, längere sind nachzuholen (§ 3 Abs. 2).
  • Nordrhein: Die Anmeldung zur Prüfung ist nach Angabe der Kammer erst nach der vollen Weiterbildungszeit möglich. Die Liste der ermächtigten Praxen gibt die Kammer auf Anfrage heraus.
  • Berlin: Pro Stätte sind mindestens sechs Monate (in Teilzeit zwölf) nachzuweisen, höchstens an drei Stätten (§ 3 Abs. 4). Mindestens ein Jahr der fachspezifischen Zeit muss unter universitärer Leitung stehen; die Mitarbeit an Forschungsprojekten ist verpflichtend (Anlage 1 Ziff. 2.3 und 2.4). Unterbrechungen wegen Schwangerschaft, Elternzeit oder Pflegezeit zählen nicht als Weiterbildungszeit (§ 3 Abs. 5).
  • Niedersachsen: Eine Unterbrechung von mehr als einem Monat muss die Kammer genehmigen, jeweils für bis zu zwölf Monate (§ 3 Abs. 6). Die Prüfung ist frühestens drei Monate vor dem Ende der Weiterbildungszeit möglich (§ 15 Abs. 3).

Prüfung

Das Fachgespräch dauert je nach Kammer 30 bis 60 Minuten. Die Wiederholung ist nach der MWBO zweimal möglich, frühestens nach drei Monaten. Ablauf, Unterlagen und Wiederholung beschreibt Ablauf der Fachzahnarztprüfung.

Welche Ordnung für Dich gilt

Maßgeblich ist die Ordnung der Kammer, die über Deine Anerkennung entscheidet. Bei einem Wechsel zwischen Kammerbereichen entscheidet die aufnehmende Kammer, welche Zeiten sie anrechnet; Näheres steht in Wechsel der Weiterbildungsstätte. Für die Stellensuche hilft KFO-Weiterbildungsstelle finden, für die Gesamtdauer von Studium bis Titel Wie lange dauert es, Kieferorthopäde zu werden?.

Weiterlesen: Ablauf der Fachzahnarztprüfung Kieferorthopädie, Wechsel der Weiterbildungsstätte, Teilzeit in der KFO-Weiterbildung, Logbuch und Fallzahlen.

Quellen

Stand: Oktober 2026.