Die Weiterbildungsstelle ist gefunden – ob an einer Uniklinik oder bei einer ermächtigten Praxis, dazu mehr in unserem Artikel KFO-Weiterbildungsstelle finden. Jetzt geht es darum, mit den richtigen Unterlagen zu überzeugen. Anders als bei der zentralen Studienplatzvergabe entscheidet hier keine Formel über Zulassung oder Absage, sondern eine Auswahlkommission oder eine einzelne Praxisinhaberin bzw. ein einzelner Praxisinhaber, die Deine Bewerbung liest. Was in diese Bewerbung gehört, unterscheidet sich zudem spürbar danach, ob Du Dich an einer Universitätsklinik oder bei einer niedergelassenen Praxis bewirbst.

Das Anschreiben: Worauf es wirklich ankommt

Ein Anschreiben, das erkennbar aus einem Textbaustein für „Bewerbung Zahnärztin/Zahnarzt” zusammengesetzt ist, fällt in der Kieferorthopädie besonders schnell auf – weil die Zahl der Bewerbungen pro Stelle hoch ist und Auswahlkommissionen genau das lesen, was individuell zur KFO passt und was nicht.

Drei Punkte machen den Unterschied:

  • Konkreter KFO-Bezug im Studium. Nenn nicht nur, dass Du eine Famulatur oder das PJ-Tertial in der Kieferorthopädie absolviert hast, sondern kurz auch was: eine bestimmte Behandlungsmethode, die Dich überzeugt hat, ein Fall, an dem Du mitgearbeitet hast, ein Wahlfach oder eine studentische Hilfskraftstelle in einer kieferorthopädischen Abteilung. Wer sich schon während des Studiums gezielt in Richtung KFO orientiert hat, sollte das im Anschreiben sichtbar machen – Hintergründe dazu findest Du in unserem Hub-Artikel Spezialisieren nach dem Zahnmedizinstudium.
  • Ehrliche, spezifische Motivation. „Ich möchte mich gerne weiterbilden” trägt keine Bewerbung. Besser: Warum gerade Kieferorthopädie und nicht Oralchirurgie oder Parodontologie? Warum gerade diese Klinik oder Praxis – wegen eines bestimmten Behandlungsschwerpunkts, eines Fortbildungsangebots, der Teamgröße?
  • Flexibilität, wenn sie tatsächlich gegeben ist. Weiterbildungsstellen sind knapp; wer signalisiert, dass er oder sie auch überregional oder mit Rotation zwischen Standorten flexibel ist, verbessert die Chancen messbar. Versprich hier aber nichts, was Du später nicht einhalten kannst.

Formal gilt: eine DIN-A4-Seite, klare Gliederung (Einstieg – Qualifikation und Motivation – Abschluss mit Gesprächswunsch), keine floskelhaften Ausrufe wie „In der heutigen Zeit ist es wichtiger denn je …”. Auswahlkommissionen an Unikliniken lesen häufig zehn bis zwanzig Bewerbungen für eine Stelle – ein Anschreiben, das konkret bleibt, sticht positiv heraus.

Der Lebenslauf: Was Du hervorheben solltest

Der tabellarische Lebenslauf folgt dem üblichen Aufbau – antichronologisch, lückenlos, mit Ausbildung, Studium und bisherigen Tätigkeiten. Innerhalb dieser Struktur zählt aber, was Du hervorhebst:

  • Famulaturen und PJ-Tertiale mit KFO-Bezug gehören nicht nur als Zeile in die Liste, sondern mit ein bis zwei Stichworten zur Einrichtung und zum Schwerpunkt (zum Beispiel: „Poliklinik für Kieferorthopädie, Universitätsklinikum XY – Schwerpunkt Frühbehandlung und herausnehmbare Apparaturen”).
  • Praktische Vorerfahrung außerhalb des Pflichtcurriculums, etwa Hospitationen in KFO-Praxen, eine studentische Nebentätigkeit in einer Zahnarztpraxis oder ein Auslandsaufenthalt mit fachlichem Bezug – dazu mehr, falls das für Dich relevant ist, in unserem Artikel zur KFO-Weiterbildung im Ausland.
  • Promotion oder laufendes Promotionsvorhaben, wenn vorhanden – gerade für Uniklinik-Bewerbungen relevant, da viele Weiterbildungsstellen dort mit einer wissenschaftlichen Mitarbeiter:innen-Position verknüpft sind.
  • Fortbildungen und Zertifikate mit KFO-Bezug, etwa Kurse zu Alignertherapie oder digitaler Planung – aber nur, wenn sie tatsächlich stattgefunden haben und nicht nur angemeldet wurden.

Ein professionelles, aktuelles Bewerbungsfoto ist in Deutschland keine Pflicht mehr, wird im medizinischen Bereich aber weiterhin häufig beigefügt.

Die Anlagen: Was üblicherweise gefordert wird

Zu den Standardanlagen einer Bewerbung um eine KFO-Weiterbildungsstelle zählen in aller Regel:

  • die Approbationsurkunde (oft als beglaubigte Kopie verlangt),
  • das Zeugnis über das Staatsexamen bzw. den Studienabschluss,
  • gegebenenfalls die Promotionsurkunde, wenn bereits abgeschlossen,
  • Arbeitszeugnisse aus bisherigen Anstellungen oder Assistenzzeiten,
  • bei Bewerbungen an Unikliniken häufig zusätzlich eine Publikationsliste oder eine Übersicht über Kongressbeiträge und Vorträge – sofern vorhanden.

Welche Nachweise eine Landeszahnärztekammer am Ende der Weiterbildung für die Anerkennung der Zeiten verlangt, kann sich leicht von dem unterscheiden, was eine einzelne Klinik oder Praxis für die Bewerbung selbst sehen möchte. Weil sich die Weiterbildungsordnungen der 17 Landeszahnärztekammern in Details unterscheiden, lohnt sich vor dem Absenden ein Blick in unseren Vergleich der Weiterbildungsordnung KFO – und im Zweifel eine kurze Rückfrage bei der ausschreibenden Stelle, welche Nachweise sie konkret zum Bewerbungszeitpunkt benötigt.

Uniklinik oder Praxis: Wo sich die Bewerbung unterscheidet

Die formalen Bestandteile – Anschreiben, Lebenslauf, Anlagen – bleiben gleich. Wie sie gewichtet und geprüft werden, unterscheidet sich aber deutlich zwischen den beiden Weiterbildungsorten, die wir im Überblick in unserem Hub-Artikel zu den KFO-Weiterbildungsstätten in Deutschland vorstellen.

An der Uniklinik läuft die Bewerbung meist formaler ab: eine Ausschreibung, oft als wissenschaftliche Mitarbeiter:innen-Stelle, eine Auswahlkommission, die mehrere Bewerbungen parallel vergleicht, und ein Bewerbungsgespräch vor einem Gremium statt vor einer Einzelperson. Wissenschaftliche Anteile – Publikationen, Vorträge, Interesse an Lehre – wiegen hier spürbar mehr, weil die Stelle in der Regel Forschung und klinische Weiterbildung kombiniert.

Bei einer Praxis mit Weiterbildungsermächtigung läuft es informeller: häufig ist es eine Initiativbewerbung, die Entscheidung liegt meist allein bei der Praxisinhaberin oder dem Praxisinhaber, und ein persönliches Kennenlernen – teils mit einem Hospitationstag – ersetzt das mehrstufige Auswahlverfahren der Uniklinik. Hier zählt weniger die wissenschaftliche Vita als der persönliche Eindruck und die Frage, ob Du ins bestehende Team passt.

Bevor Du absendest

Ein letzter Praxis-Check: Bewirb Dich rechtzeitig vor dem gewünschten Startzeitpunkt, verschick die Unterlagen als ein zusammenhängendes PDF statt als lose Einzeldateien, und lies das Anschreiben laut vor, bevor Du es abschickst – viele Formulierungsfehler fallen so eher auf als beim stillen Lesen. Hast Du nach zwei bis drei Wochen keine Rückmeldung erhalten, ist ein freundliches, kurzes Nachfassen per Mail oder Telefon üblich und wird nicht negativ ausgelegt.


Stand: Juli 2026. Angaben zu üblichen Abläufen und Unterlagen ohne Gewähr – die konkreten Anforderungen legt jede ausschreibende Klinik oder Praxis selbst fest, verbindliche Vorgaben zur Anerkennung der Weiterbildungszeiten macht Deine zuständige Landeszahnärztekammer. Einen Überblick über den gesamten Weg zum Fachzahnarzt oder Master gibt unsere Übersichtsseite Der Weg zum Kieferorthopäden.