Ermächtigte Praxen findest Du über die Verzeichnisse der Kammern, die Stellenmärkte und persönliche Kontakte. Die Initiativbewerbung ergänzt diese Wege, denn ein Teil der Stellen wird nicht ausgeschrieben; eine Statistik dazu gibt es nicht. Wie lange die Suche insgesamt dauern kann, steht in Wartezeit auf eine KFO-Weiterbildungsstelle.
Es geht um Weg A, die Weiterbildung zum Fachzahnarzt für Kieferorthopädie mit Kammerprüfung, bei der die Praxis von ihrer Landeszahnärztekammer ermächtigt sein muss. Bei einem Master oder einer Zusatzqualifikation (Weg B) bewirbst Du Dich beim Anbieter, nicht bei einer Praxis. Zulasten der gesetzlichen Krankenkassen gilt seit dem 30.07.2026 ein Fachzahnarztvorbehalt mit drei Ausnahmen; Einzelheiten stehen in Fachzahnarzt oder Master: Was ist der Unterschied?.
Ermächtigte Praxen finden
Drei Wege führen zu einer Liste von Praxen, die Du anschreiben kannst:
- Kammerverzeichnisse. Es gibt keine bundesweite Liste. Hessen und Baden-Württemberg veröffentlichen Praxislisten als PDF (Links in Weiterbildungsermächtigung prüfen), Nordrhein gibt sein Verzeichnis nach § 4 Abs. 6 WBO auf Anfrage beim Ressort Berufsausübung heraus. Bei den übrigen Kammern fragst Du nach.
- Stellenmärkte. Kammern und Fachportale führen Anzeigen; welche, steht in Weiterbildungsstelle finden. Eine Anzeige zeigt, dass die Praxis sucht. Ob sie ermächtigt ist, prüfst Du trotzdem bei der Kammer.
- Persönliche Kontakte. Famulaturen, Hospitationen und der Austausch mit Zahnärzten, die schon in Weiterbildung sind, liefern Hinweise auf Praxen, die suchen oder bald suchen. Fachgesellschaften bieten Kontaktgelegenheiten: Assistenten in Weiterbildung zahlen bei der DGKFO 120 € im Jahr (Stand 01.08.2026, höchstens drei Jahre), beim BDK gibt es eine außerordentliche Mitgliedschaft für die Weiterbildungszeit.
Die Universitätsabteilungen stehen in KFO-Weiterbildungsstätten in Deutschland; die Bewerbung dort läuft anders, wie Warteliste und Vergabe an Unikliniken zeigt.
Aufbau einer Initiativbewerbung
Eine Initiativbewerbung muss ohne Anzeige begründen, warum Du genau diese Praxis anschreibst. Das gelingt in einer E-Mail mit diesem Aufbau (Beispielsätze mit Platzhaltern in eckigen Klammern):
- Betreff: „Initiativbewerbung Weiterbildung Kieferorthopädie ab [Monat Jahr], [Dein Name]“.
- Erster Absatz, Anlass: „Ich möchte ab [Monat Jahr] meine Weiterbildung zum Fachzahnarzt für Kieferorthopädie beginnen und bewerbe mich initiativ bei Ihrer Praxis.“
- Zweiter Absatz, Bezug zur Praxis: „Auf Ihre Praxis bin ich über [Kammerverzeichnis, Empfehlung oder Famulatur] aufmerksam geworden. Besonders interessiert mich [Behandlungsschwerpunkt oder Konzept der Praxis].“
- Dritter Absatz, Qualifikation und Verfügbarkeit: „Ich bin seit [Jahr] approbiert, habe das allgemeinzahnärztliche Jahr [abgeschlossen / bis Monat Jahr geplant] und [Famulatur, Hospitation oder Promotion mit KFO-Bezug]. Ich kann zum [Datum] beginnen.“
- Schluss: ein konkreter Gesprächs- oder Hospitationswunsch, etwa „Gern stelle ich mich in einem persönlichen Gespräch oder an einem Hospitationstag vor.“
- Anhang als PDF: Anschreiben, Lebenslauf, Approbationsurkunde und Zeugnisse. Welche Unterlagen die Mappe enthält, steht in Bewerbungsunterlagen für die KFO-Weiterbildung.
Ein Anschreiben, das für jede Praxis passen würde, erkennt der Empfänger sofort; der zweite Absatz entscheidet deshalb über den Eindruck. Nenne außerdem ein realistisches Startdatum und Deine zeitliche Flexibilität. Bleib bei einer Seite: Details klärt das Gespräch.
Welche Kontaktwege funktionieren
| Kontaktweg | Vorteil | Worauf Du achten solltest |
|---|---|---|
| Verbindlich, gut vorbereitbar, hinterlässt Anschreiben und Unterlagen direkt beim Empfänger | Kurzer, aussagekräftiger Betreff; Anhänge als PDF, keine überdimensionierten Dateien | |
| Telefon | Schneller direkter Kontakt, gut um Ansprechpartner zu klären oder Interesse anzukündigen | Außerhalb der Sprechstundenzeiten anrufen, Gespräch kurz halten, danach schriftlich nachreichen |
| Persönlicher Besuch | Bleibt am ehesten im Gedächtnis, zeigt echtes Interesse an genau dieser Praxis | Nur nach Ankündigung, nie ungefragt während des laufenden Praxisbetriebs vorbeikommen |
Als Empfehlung hat sich die E-Mail als verbindlicher Ausgangspunkt bewährt, ergänzt durch einen kurzen Anruf, um den richtigen Ansprechpartner zu finden. Ein Besuch passt, wenn Du die Praxis aus einer Famulatur kennst oder eingeladen wurdest. Wer eine Hospitation anfragt, sieht den Praxisalltag und die Anleitung vor dem Vertrag; die Fragen an die Praxis stehen in Weiterbildungsermächtigung prüfen.
Nachfassen und Absagen
Halte jede Bewerbung in einer Liste fest, damit Du den Überblick behältst:
| Praxis | Ort | Ansprechpartner | Gesendet am | Antwort | Nachfassen am |
|---|---|---|---|---|---|
| (Name) | (Ort) | (Name, E-Mail) | (Datum) | (offen / Absage / Gespräch) | (Datum) |
Ein sinnvoller Ablauf:
- Bewirb Dich bei mehreren Praxen gleichzeitig, statt nacheinander auf einzelne Antworten zu warten.
- Frag nach etwa zwei bis drei Wochen einmal per E-Mail nach (Richtwert).
- Bei einer Absage: bedanke Dich kurz und bitte darum, für später vorgemerkt zu werden.
- Beziehe weitere Regionen ein, wenn die Antworten ausbleiben. Beim Wechsel der Kammer gelten deren Regeln; sie stehen im Kammervergleich.
Zahlen zur Antwortquote veröffentlicht keine Kammer und kein Verband. Wie sich die Bewerbungsphase in den Zeitplan einfügt, steht in Wartezeit auf eine KFO-Weiterbildungsstelle. Auf das Gespräch bereitest Du Dich mit Vorstellungsgespräch für die KFO-Weiterbildung vor.
Weiterlesen: Bewerbungsunterlagen für die KFO-Weiterbildung, Arbeitsvertrag als KFO-Weiterbildungsassistenz, Kieferorthopäde werden: Der komplette Weg.
Quellen
- Landeszahnärztekammer Hessen: Weiterbildung Kieferorthopädie: Übersicht der Weiterbildungsstätten in Hessen.
- Landeszahnärztekammer Baden-Württemberg: Weiterbildung Kieferorthopädie: Liste der Praxen mit zwei- und dreijähriger Ermächtigung.
- Weiterbildungsordnung der Zahnärztekammer Nordrhein: § 4 Abs. 6, Verzeichnis der Ermächtigten.
- DGKFO: Mitglied werden: Beitrag für Assistenten in Weiterbildung, Stand 01.08.2026.
- BDK: Mitglied werden: außerordentliche Mitgliedschaft während der Weiterbildung.
- § 28 SGB V: Fachzahnarztvorbehalt in der gesetzlichen Krankenversicherung.
Stand: Oktober 2026.
