Die Fachzahnarztprüfung ist ein mündliches Fachgespräch vor einem Ausschuss Deiner Landeszahnärztekammer. Es dauert je nach Kammer 30 bis 60 Minuten. Zugelassen wirst Du, wenn Zeugnisse und Dokumentation der Weiterbildung vollständig sind; mit bestandener Prüfung erkennt die Kammer Dich als Fachzahnarzt für Kieferorthopädie an. Den Titel „Fachzahnarzt für Kieferorthopädie“ und „Kieferorthopäde“ darf nur führen, wer die Anerkennung einer Zahnärztekammer hat.
Die Kammerprüfung gehört zu Weg A. Der Master (Weg B) endet mit einer Hochschulprüfung des Studiengangs. Was er erlaubt, und welche drei Ausnahmen vom Fachzahnarztvorbehalt zulasten der gesetzlichen Krankenkassen seit dem 30.07.2026 gelten, erklärt Fachzahnarzt oder Master: Wer darf sich „Kieferorthopäde“ nennen?. Die Dauer der Weiterbildung davor und die Unterschiede zwischen den Kammern zeigt der Kammervergleich: mindestens drei fachspezifische Jahre plus ein allgemeinzahnärztliches Jahr, zusammen vier Jahre (MWBO 2024, Anlage 2); Nordrhein verlangt drei Jahre ohne eigenes allgemeinzahnärztliches Jahr, und in Berlin müssen die zwölf allgemeinzahnärztlichen Monate vor dem Beginn liegen.
Antrag und Zulassung
Die Anerkennung beantragst Du schriftlich bei Deiner Kammer. Nach der MWBO gehören zum Antrag eine beglaubigte Abschrift der Approbationsurkunde (oder der Erlaubnis nach § 13 ZHG) und die Zeugnisse über die Weiterbildung einschließlich der Dokumentationshilfen. Dazu kommt eine eidesstattliche Erklärung: Du hast die Prüfung nicht schon dreimal erfolglos abgelegt und bei keiner anderen Kammer einen offenen Antrag gestellt (§ 15 Abs. 1). Die Kammer prüft die Unterlagen, lässt Dich zu und lädt Dich mit einer Frist von mindestens zwei Wochen zum Termin (§ 15 Abs. 3 und 5). Zeitpunkt und Zusatzunterlagen unterscheiden sich:
| Kammer | Wann der Antrag möglich ist | Besonderes |
|---|---|---|
| Bayern | frühestens drei Monate vor dem Ende der gesamten Weiterbildungszeit (§ 10 Abs. 2) | Liste der hauptsächlich behandelten Patienten (50), Liste von zwölf Patientenfällen, Curriculumzertifikate; nur Mitglieder eines bayerischen Bezirksverbands |
| Baden-Württemberg | soll spätestens ein Jahr nach Abschluss der Weiterbildung erfolgen (§ 14 Abs. 1) | Zeugnisse über das allgemeinzahnärztliche Jahr und die fachspezifische Weiterbildung |
| Nordrhein | erst nach der vollen Weiterbildungszeit (Angabe der Kammer zu §§ 13, 14) | Kammermitgliedschaft muss bis zum Ende des Verfahrens bestehen |
| Berlin | innerhalb eines Jahres nach Abschluss der Weiterbildung (§ 18 Abs. 1) | Dokumentationshilfe, Zeugnisse, eidesstattliche Erklärung; mindestens zwei Prüfungstermine im Jahr (§ 19 Abs. 1) |
| Niedersachsen | Antrag frühestens sechs Monate, Prüfung frühestens drei Monate vor dem Ende der Weiterbildungszeit (§ 15) | tabellarischer Lebenslauf, Bestätigung einer anderen Kammer bei auswärtiger Weiterbildung |
Die genauen Antragsformulare und Fristen findest Du bei Deiner Kammer; die Quellen stehen am Ende des Artikels.
Wer prüft Dich
Geprüft wirst Du von einem Ausschuss aus Fachzahnärzten. Die MWBO sieht drei Mitglieder vor, von denen mindestens zwei im Fachgebiet ermächtigt sind und mindestens eines ein Hochschullehrer sein soll (§ 14 Abs. 2). Bayern und Nordrhein folgen diesem Muster; in Nordrhein muss eines der drei Mitglieder die leitende Person einer Uni-Abteilung für Kieferorthopädie sein (§ 12 Abs. 2 WBO Nordrhein). Baden-Württemberg bildet den Ausschuss aus fünf Mitgliedern, beschlussfähig sind mindestens drei (§ 14 Abs. 3). In Berlin soll die Mehrheit des Ausschusses nicht der Weiterbildungsstätte angehören, an der Du ausgebildet wurdest (§ 17 Abs. 5).
Das Fachgespräch
| Ordnung | Dauer | Prüflinge gleichzeitig |
|---|---|---|
| MWBO 2024 | 45 bis 60 Minuten (§ 16 Abs. 1) | höchstens 3 |
| Bayern | in der Regel 45 Minuten, auch mit praktischen Elementen (§ 13 Abs. 2) | höchstens 4 |
| Baden-Württemberg | in der Regel 60 Minuten (§ 16 Abs. 1) | Einzelgespräch |
| Nordrhein | in der Regel 30 Minuten (§ 14 Abs. 2) | höchstens 4 |
| Berlin | in der Regel höchstens 60 Minuten (§ 19 Abs. 2) | nicht geregelt |
| Niedersachsen | 30 bis 60 Minuten, davor 30 Minuten Vorbereitungszeit (§ 16 Abs. 1) | Einzelprüfung |
Das Gespräch ist nicht öffentlich. Der Ausschuss entscheidet auf der Grundlage Deiner Zeugnisse und des Gesprächs, ob Du die vorgeschriebenen besonderen Kenntnisse erworben hast (MWBO § 16 Abs. 2). In Niedersachsen teilt der Vorsitzende das Ergebnis mündlich mit und begründet es auf Wunsch (§ 16 Abs. 4). Bei Erfolg stellt die Kammer eine Urkunde über die Gebietsbezeichnung aus (§ 14 Abs. 2 WBO Bayern, § 15 Abs. 2 WBO Nordrhein).
Was geprüft wird
Geprüft werden Fachwissen und Deine eigenen Fälle zusammen. Welche Themen dazugehören, steht in der Anlage der Weiterbildungsordnung. Die bayerische Ordnung nennt unter anderem kieferorthopädische Nomenklatur, Anatomie und Entwicklung des Gesichtsschädels und die Diagnostik skelettaler und dentaler Anomalien. Dazu kommen Biomechanik, Röntgendiagnostik mit kephalometrischer Auswertung, die Planung von Behandlungsmitteln und interdisziplinäre Fälle (Anlage 1 zu § 20 Abs. 2 WBO Bayern).
Wie die Fälle in die Prüfung eingehen, regeln die Kammern unterschiedlich. In Thüringen besteht das Gespräch aus der Präsentation von drei eigenen Fällen, einer kieferorthopädischen Fallplanung und der Überprüfung des Grundlagenwissens. In Bayern gehört dem Antrag eine Liste von zwölf Patientenfällen bei. Wie Du Fälle über die Weiterbildung hinweg dokumentierst, beschreibt Logbuch und Fallzahlen in der KFO-Weiterbildung.
Gebühren
Die Gebühr legt jede Kammer in ihrer Kostenordnung fest. Die Landeszahnärztekammer Thüringen erhebt für die Fachzahnarztprüfung eine Zulassungsgebühr von 380 Euro und eine Prüfungsgebühr von 690 Euro, zusammen 1.070 Euro. Die Zahnärztekammer Sachsen-Anhalt nennt in ihrer Kostenordnung (Änderung vom 11.06.2025) 1.000 Euro für die Durchführung der Fachzahnarztprüfung und ebenfalls 1.000 Euro für ihre Wiederholung. In Niedersachsen musst Du die Gebühr nach der Kostensatzung vor dem Prüfungstermin zahlen (§ 16 Abs. 5). Für andere Kammern gibt Dir deren Kostenordnung die Zahl.
So bereitest Du Dich vor
- Zeugnisse und Dokumentation prüfen. Die MWBO verlangt eine fortlaufende Dokumentation, die der Ermächtigte mindestens einmal jährlich bestätigt (§ 2 Abs. 5). Beim Ausscheiden stellt er unverzüglich ein qualifiziertes Zeugnis aus (§ 12 Abs. 5). Zugelassen wirst Du nur, wenn die Kammer die ordnungsgemäße Ableistung feststellen kann (§ 15 Abs. 3).
- Antragsfrist Deiner Kammer klären und den Antrag samt Unterlagen einreichen.
- Die Prüfungsgebiete aus der Anlage Deiner Weiterbildungsordnung durcharbeiten. Sie sind der verbindliche Rahmen, nicht ein allgemeines Lehrbuch.
- Eigene Fälle noch einmal durchgehen: Warum dieses Vorgehen, welche Alternativen gab es, wie ging der Fall aus?
- Den Weiterbilder und Kollegen fragen, die bei Deiner Kammer geprüft wurden. Der Ablauf hängt von der Kammer ab, und Berichte aus anderen Bundesländern passen oft nicht.
Nichtbestehen und Wiederholung
| Ordnung | Wiederholung |
|---|---|
| MWBO 2024 | zweimal möglich; Anmeldung frühestens nach 3 Monaten, spätestens 12 Monate nach dem Ergebnis; die Zulassung kann von vorab zu erbringenden Weiterbildungsleistungen abhängen (§ 17 Abs. 3 und 4) |
| Bayern | Ausschuss kann die Weiterbildung um 3 Monate bis 2 Jahre verlängern oder eine Frist von höchstens 3 Monaten für Wissenslücken setzen; Wiederholung frühestens nach 3 Monaten und nach Erfüllung der Auflagen (§ 13 Abs. 4 bis 6, § 15) |
| Baden-Württemberg | Ausschuss kann die Weiterbildungszeit bis zu einem halben Jahr verlängern; Wiederholung frühestens nach 3 Monaten (§ 17 Abs. 2 und 5) |
| Nordrhein | Wiederholung frühestens nach 3 Monaten; nach einem zweiten Misserfolg eine letzte Wiederholung frühestens nach weiteren 6 Monaten (§ 15 Abs. 3 und 4) |
| Berlin | zweimal möglich; Anmeldung frühestens nach 3 Monaten, soll innerhalb von 12 Monaten erfolgen (§ 21 Abs. 4) |
| Niedersachsen | höchstens zweimal, frühestens nach 3 Monaten; bis zu 6 Monate zusätzliche Weiterbildung möglich; Antritt innerhalb eines Jahres (§ 17) |
Bleibst Du der Prüfung ohne ausreichenden Grund fern oder brichst sie ab, gilt sie als nicht bestanden (MWBO § 16 Abs. 3). Bestehensquoten nennt keine der hier ausgewerteten Kammern. Was bei einem Abbruch der Weiterbildung selbst gilt, steht in Weiterbildung abgebrochen: Was zählt weiter?.
Weiterlesen: Logbuch und Fallzahlen in der KFO-Weiterbildung, Wie lange dauert es, Kieferorthopäde zu werden?, Karrierewege in der Kieferorthopädie.
Quellen
- Musterweiterbildungsordnung der Bundeszahnärztekammer, Beschluss vom 16.11.2024: §§ 2, 12, 14 bis 17
- Weiterbildungsordnung für die Bayerischen Zahnärzte, Fassung ab 01.04.2016: §§ 10 bis 15, Anlage 1
- Bayerische Landeszahnärztekammer, Zulassung zum Fachgespräch: Antragsfrist und Unterlagen für Kieferorthopädie
- Weiterbildungsordnung der Landeszahnärztekammer Baden-Württemberg: §§ 14 bis 17
- Weiterbildungsordnung der Zahnärztekammer Nordrhein, gültig ab 02.09.2003: §§ 12 bis 15
- Zahnärztekammer Nordrhein, Informationen zur Weiterbildung: Anmeldung zur Prüfung erst nach voller Weiterbildungszeit
- Weiterbildungsordnung der Zahnärztekammer Berlin: §§ 17 bis 21
- Weiterbildungsordnung der Zahnärztekammer Niedersachsen vom 18.06.2026: §§ 15 bis 17
- Landeszahnärztekammer Thüringen, Weiterbildung Kieferorthopädie: Prüfungsinhalt, Zulassungs- und Prüfungsgebühr
- Kostenordnung der Zahnärztekammer Sachsen-Anhalt, Stand 11.06.2025: Gebühren für Fachzahnarztprüfung und Wiederholung
Stand: Oktober 2026.
