Nach der Approbation stehen Dir in der Zahnmedizin drei verbreitete Fachzahnarzt-Gebiete offen: Kieferorthopädie, Oralchirurgie und Öffentliches Gesundheitswesen. Regional kommen Parodontologie und Allgemeine Zahnheilkunde hinzu. Alles andere, von der Implantologie bis zur Endodontie, läuft über Curricula, Master oder einen Tätigkeitsschwerpunkt und führt nicht zu einem Fachzahnarzt-Titel. Die Mund-Kiefer-Gesichtschirurgie ist ein ärztlicher Facharzt und braucht zusätzlich Humanmedizin. Wer Kieferorthopädie ansteuert, hat zwei Wege: die Weiterbildung zum Fachzahnarzt (Weg A) oder einen Master beziehungsweise eine Zusatzqualifikation (Weg B).
Die Wege im Überblick
| Weg | Dauer in Vollzeit | Titel | Kammerprüfung | Zahl, Stand |
|---|---|---|---|---|
| Kieferorthopädie | mindestens drei fachspezifische Jahre plus ein allgemeinzahnärztliches Jahr (MWBO 2024, Anlage 2); Nordrhein drei Jahre | Fachzahnarzt für Kieferorthopädie („Kieferorthopäde”) | ja | 3.825 (31.12.2024) |
| Oralchirurgie | mindestens drei Jahre plus ein allgemeinzahnärztliches Jahr (MWBO 2024, Anlage 1) | Fachzahnarzt für Oralchirurgie („Oralchirurg”) | ja | 3.910 (31.12.2024) |
| Öffentliches Gesundheitswesen | Brandenburg: mindestens drei Jahre plus allgemeinzahnärztliches Jahr, dazu mindestens 400 Unterrichtsstunden an einer Akademie für Öffentliches Gesundheitswesen | Fachzahnarzt für Öffentliches Gesundheitswesen | Prüfung an der Akademie, Anerkennung durch die Kammer (Nordrhein) | BZÄK nennt keine Zahl |
| Parodontologie | Westfalen-Lippe: allgemeinzahnärztliches Jahr plus mindestens drei Jahre (§ 3 WBO) | Fachzahnarzt für Parodontologie | ja, Fachzahnarztprüfung vor der Kammer | Westfalen-Lippe; Rheinland-Pfalz seit 2024 |
| Allgemeine Zahnheilkunde | Brandenburg: mindestens drei Jahre in der Praxis eines ermächtigten Fachzahnarztes, Curriculum mit mindestens 150 Stunden | Fachzahnarzt für Allgemeine Zahnheilkunde | siehe WBO Brandenburg | nur Brandenburg |
| Mund-Kiefer-Gesichtschirurgie | 60 Monate ärztliche Weiterbildung, Abschluss setzt auch das zahnärztliche Staatsexamen voraus | Facharzt für Mund-Kiefer-Gesichtschirurgie | Ärztekammer | ärztliches Gebiet |
| Master, Curriculum, Tätigkeitsschwerpunkt | je nach Anbieter | kein Titel | keine | n. a. |
Die Zahlen für Kieferorthopädie und Oralchirurgie stammen aus „Nachgezählt” der Bundeszahnärztekammer (BZÄK); für das Öffentliche Gesundheitswesen nennt die BZÄK keine Zahl. Die Musterweiterbildungsordnung (MWBO) der BZÄK ist eine Empfehlung, verbindlich ist die Weiterbildungsordnung Deiner Landeszahnärztekammer. Nach § 1 Abs. 3 MWBO darf eine Fachgebietsbezeichnung nur führen, wer die Anerkennung einer Zahnärztekammer hat.
Die Parodontologie gibt es als Fachzahnarzt-Titel in Westfalen-Lippe, dessen Weiterbildungsordnung sie als Fachgebiet führt. Rheinland-Pfalz hat die Weiterbildung 2024 eingeführt; Fachzahnärzte gab es dort laut zm-online (Ausgabe 06/2024) damals noch nicht. Wer außerhalb dieser Kammerbezirke arbeitet, kann sich in der Parodontologie über Curricula spezialisieren. Die Allgemeine Zahnheilkunde führt die Weiterbildungsordnung Brandenburg von 2016 als Fachgebiet.
Die Mund-Kiefer-Gesichtschirurgie läuft über die Ärztekammer. Das Zweitstudium der Zahnmedizin nach der Humanmedizin gibt die Deutsche Gesellschaft für Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie (DGMKG) mit etwa 3,5 Jahren an; dazu kommen die 60 Monate Weiterbildung. Eine kompakte Gegenüberstellung der Fachzahnarzt-Richtungen bietet der Fachzahnarzt-Überblick auf zahnmedizinstudium.eu.
Spezialisieren ohne Fachzahnarzt-Titel
Master, Curricula von Fachgesellschaften und Tätigkeitsschwerpunkte vertiefen ein Gebiet, begründen aber keinen Fachzahnarzt-Titel. Einen Tätigkeitsschwerpunkt zeigst Du Deiner Landeszahnärztekammer nach deren Berufsordnung an; er beruht auf eigener Einschätzung und ersetzt keine Anerkennung. Welche Aufklärung Du bei Werbung mit „Kieferorthopädie” ohne Titel brauchst, erklärt Fachzahnarzt oder Master. Eine Übersicht über die weiteren Optionen gibt Alternativen zur KFO-Spezialisierung.
Kieferorthopädie: die zwei Wege
Weg A ist die Weiterbildung zum Fachzahnarzt für Kieferorthopädie: mindestens drei fachspezifische Jahre plus ein allgemeinzahnärztliches Jahr, zusammen vier Jahre nach der Approbation (MWBO 2024, Anlage 2 Ziff. 2.1). Nordrhein verlangt drei Jahre ohne eigenes allgemeinzahnärztliches Jahr (§ 8 Abs. 4 WBO). In Berlin liegt das allgemeinzahnärztliche Jahr vor dem Beginn der Weiterbildung: Nach § 1 Abs. 2 der Berliner WBO braucht es zwölf Monate Vollzeittätigkeit, die nicht in einer Fachzahnarztpraxis stattfinden dürfen. Es ist das allgemeinzahnärztliche Jahr, kein fünftes. Die Weiterbildung läuft an einer Universitätsklinik oder in einer ermächtigten Praxis und endet mit der Prüfung vor der Kammer. Unterschiede und Fristen der Kammern zeigt Weiterbildungsordnungen im Vergleich; wie Du eine Stelle findest, steht in KFO-Weiterbildungsstelle finden.
Weg B ist ein Master oder eine Zusatzqualifikation in Kieferorthopädie: ein bis drei Jahre, meist berufsbegleitend, ohne Kammerprüfung, bei Hochschulen und privaten Anbietern mit unterschiedlichem Niveau. Nicht jeder Anbieter, der mit „Master” wirbt, verleiht einen rechtmäßigen akademischen Grad; ein Beispiel ist der Fall DTMD. Mit Master behandelst Du weiterhin kieferorthopädisch, führst „Kieferorthopäde” aber nicht und klärst in der Werbung auf. Für Kassenleistungen gilt seit dem 30.07.2026 ein Fachzahnarztvorbehalt mit Ausnahmen und Bestandsschutz, den Fachzahnarzt oder Master erklärt.
Die Rechnung vom Studienbeginn bis zum Titel steht in Wie lange es dauert, Kieferorthopäde zu werden. Wer die Weiterbildung im Ausland absolvieren will, findet Anerkennung und Länder in KFO-Weiterbildung im Ausland.
Was danach kommt
Auf beiden Wegen bleiben Anstellung, Partnerschaft und eigene Praxis offen, mit unterschiedlichen Möglichkeiten bei Titel und Außendarstellung. Den Vergleich liefert Karrierewege in der Kieferorthopädie, den Berufsalltag Berufsbild Kieferorthopäde. Den kompletten Ablauf beider Wege beschreibt Kieferorthopäde werden: Der komplette Weg.
Weiterlesen: Approbation geschafft: Was kommt danach?, Quereinstieg aus einer anderen Fachzahnarztrichtung und Zusammenarbeit mit der MKG-Chirurgie.
Quellen
- Musterweiterbildungsordnung der Bundeszahnärztekammer, 16.11.2024 (PDF): § 1 Abs. 3; Anlage 1 (Oralchirurgie) und Anlage 2 (Kieferorthopädie) mit Dauer und Bezeichnung.
- BZÄK, Nachgezählt: 3.825 Fachzahnärzte für Kieferorthopädie und 3.910 für Oralchirurgie zum 31.12.2024.
- Weiterbildungsordnung der Zahnärztekammer Nordrhein (PDF): § 8 Abs. 4 (drei Jahre Kieferorthopädie), § 16 (Öffentliches Gesundheitswesen).
- Weiterbildungsordnung der Zahnärztekammer Westfalen-Lippe vom 26.11.2016: § 3 (allgemeinzahnärztliches Jahr plus mindestens drei Jahre), Fachgebiete einschließlich Parodontologie.
- Weiterbildungsordnung der Landeszahnärztekammer Brandenburg vom 07.03.2016 (PDF): Anlage 1 (Allgemeine Zahnheilkunde) und Anlage 4 (Öffentliches Gesundheitswesen).
- Weiterbildungsordnung der Zahnärztekammer Berlin (PDF): § 1 Abs. 2, zwölf Monate allgemeinzahnärztliche Tätigkeit vor Beginn.
- Bundesärztekammer, (Muster-)Weiterbildungsordnung 2018, Stand 03.07.2026 (PDF): Gebiet Mund-Kiefer-Gesichtschirurgie, 60 Monate, zahnärztliches Staatsexamen vorausgesetzt.
- DGMKG, Ausbildungsweg zum Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgen: Zweitstudium Zahnmedizin rund 3,5 Jahre, Weiterbildung 60 Monate.
- zm-online, Spezialisten für besondere Fälle (Ausgabe 06/2024): Sekundärquelle zur Parodontologie in Rheinland-Pfalz.
- § 28 SGB V: Fachzahnarztvorbehalt für Kassenleistungen, Abs. 2 Satz 6 Nr. 1 und Abs. 2a.
Stand: Oktober 2026.
