Als Zahnarzt ohne Fachzahnarzt-Titel darfst Du mit „Kieferorthopädie” und „Praxis für Kieferorthopädie” werben, wenn direkt daneben eine deutliche Aufklärung über Deine tatsächliche Qualifikation steht. „Fachzahnarztpraxis für Kieferorthopädie”, „Fachzahnarzt” und „Kieferorthopäde” bleiben Titelträgern vorbehalten. Werberecht und Kassenabrechnung sind zwei getrennte Ebenen: Für Kassenleistungen gilt seit dem 30.07.2026 ein eigener Fachzahnarztvorbehalt, den Fachzahnarzt oder Master erklärt. Hier geht es um die Außendarstellung, kanalweise mit Formulierungsbeispielen für beide Wege.

Die Rechtslage kurz zusammengefasst

Der Bundesgerichtshof hat am 29.07.2021 (Az. I ZR 114/20) über eine Klage der Zahnärztekammer Nordrhein gegen einen Zahnarzt mit österreichischem „Master of Science Kieferorthopädie” entschieden. Wer ohne Titel mit „Kieferorthopädie” oder „Praxis für Kieferorthopädie” wirbt, muss der Fehlvorstellung, er sei Fachzahnarzt, durch zumutbare Aufklärung entgegenwirken (Irreführungsverbot, § 5 UWG). Der ausgeschriebene Zusatz „Master of Science Kieferorthopädie” neben dem Namen reichte im Fall, „… M.Sc.” nicht; der Menüpunkt „Kieferorthopädie in der …-Straße” ohne Zusatz war unzulässig. Die Zahnärztekammer Nordrhein liest daraus, dass der Hinweis unmittelbar bei der Angabe stehen muss. Fehlender Platz auf Schild oder Klingel ändere daran nichts. Das ist die Auslegung der Kammer, nicht der Urteilswortlaut. Alles Weitere zum Urteil steht im Artikel Fachzahnarzt oder Master.

Die Titelbezeichnungen regelt das Kammerrecht: „Fachzahnarztpraxis für Kieferorthopädie” und „Kieferorthopäde” setzen die Anerkennung einer Zahnärztekammer voraus (MWBO § 1 Abs. 3). Einen Tätigkeitsschwerpunkt zeigst Du Deiner Kammer nach deren Berufsordnung an; er beruht auf eigener Einschätzung und ersetzt keinen Titel. Verbindlich ist die Auskunft Deiner Landeszahnärztekammer, und einzelne Kammern können strenger auslegen als das Mindestmaß des BGH.

Formulierungen je Kanal

Mit Titel brauchst Du auf keinem Kanal eine Aufklärung. Ohne Titel gilt auf jedem Kanal derselbe Maßstab: Der Zusatz steht direkt bei der Angabe und nennt die Qualifikation ausgeschrieben. Die Beispiele sind Orientierung, keine rechtssichere Vorlage für Deinen Einzelfall.

KanalMit Fachzahnarzt-TitelOhne Titel (Pflichtzusatz direkt daneben)
Praxisschild„Dr. [Name], Fachzahnarzt für Kieferorthopädie” oder „Fachzahnarztpraxis für Kieferorthopädie”„Zahnarztpraxis Dr. [Name], Tätigkeitsschwerpunkt Kieferorthopädie”. „Praxis für Kieferorthopädie” nur mit sichtbarem Zusatz direkt daneben, sonst unzulässig
Website-StartseiteHeadline „Fachzahnarztpraxis für Kieferorthopädie in [Ort]” ohne Zusatz„Praxis für Kieferorthopädie” mit dem Zusatz in unmittelbarer Nähe: „Zahnärztliche Behandlung mit Tätigkeitsschwerpunkt Kieferorthopädie, Master of Science Kieferorthopädie ([Hochschule])”. Gilt auch für einen Menüpunkt „Kieferorthopädie”
Google-UnternehmensprofilKategorie „Kieferorthopäde”, Name „[Praxisname], Fachzahnarztpraxis für Kieferorthopädie”Name „[Praxisname], Zahnarztpraxis”; Aufklärung im Beschreibungsfeld, etwa „Zahnärztliche Behandlung mit Tätigkeitsschwerpunkt Kieferorthopädie. Dr. [Name], Master of Science Kieferorthopädie ([Hochschule])”
Visitenkarte„Fachzahnarzt für Kieferorthopädie” unter dem Namen„Dr. [Name], Zahnarzt, Tätigkeitsschwerpunkt Kieferorthopädie”; ein Grad wird ausgeschrieben genannt, nicht als „M.Sc. KFO”
Social-Media-Profil„Kieferorthopäde” oder „Fachzahnarzt für Kieferorthopädie” in Bio und ProfilnameBio: „Zahnarzt · Tätigkeitsschwerpunkt Kieferorthopädie · Master of Science Kieferorthopädie, [Hochschule]”; „Kieferorthopäde” nicht als Profilname

Nie ohne Titel zulässig sind „Fachzahnarztpraxis für Kieferorthopädie”, „Fachzahnarzt für Kieferorthopädie” und „Kieferorthopäde”, auch nicht mit Aufklärung. Was nicht reicht: „M.Sc.” als einziger Zusatz oder ein Hinweis, der nicht bei der Angabe selbst, sondern erst im Kleingedruckten steht.

Zur Google-Kategorie gibt es kein Urteil. Nach der Logik des BGH-Urteils dürfte die Kategorie „Kieferorthopäde” ohne Titel dieselbe Fehlvorstellung auslösen wie der Text; das ist eine Einschätzung, keine entschiedene Rechtsfrage. Dasselbe gilt für Einträge in Arztverzeichnissen und Bewertungsportalen.

Prüfliste vor der Veröffentlichung

  1. Steht irgendwo „Fachzahnarzt” oder „Kieferorthopäde” im Namen, Titel oder Profil? Dann brauchst Du die Anerkennung Deiner Kammer.
  2. Steht neben jedem „Kieferorthopädie” oder „Praxis für Kieferorthopädie” direkt die Qualifikation, ausgeschrieben und gut sichtbar?
  3. Hast Du den Tätigkeitsschwerpunkt bei Deiner Landeszahnärztekammer angezeigt?
  4. Hast Du den Text mit Deiner Kammer abgestimmt? Sie legt ihre Berufsordnung selbst aus.

Was bei Verstößen droht

Bei irreführender Werbung können Mitbewerber, qualifizierte Wirtschaftsverbände und berufsständische Körperschaften wie die Zahnärztekammer Beseitigung und Unterlassung verlangen (§ 8 Abs. 1 und 3 UWG). Im BGH-Fall war es die Kammer. Zusätzlich untersagen die Berufsordnungen irreführende Werbung; in Nordrhein steht das in § 15 Abs. 1 der Berufsordnung. Wie sich die Titelfrage auf Anstellung, Partnerschaft und eigene Praxis auswirkt, steht in Karrierewege in der Kieferorthopädie; die wirtschaftliche Seite einer eigenen Praxis behandelt Eigene KFO-Praxis gründen oder übernehmen.

Weiterlesen: Fachzahnarzt oder Master: Wer darf sich „Kieferorthopäde” nennen?, Master Kieferorthopädie in Deutschland und Der Weg zum Kieferorthopäden.

Quellen

Stand: Oktober 2026.