Die Arbeitszeit eines Kieferorthopäden ist durch Termine planbar, rechtlich aber unterschiedlich geregelt: Für Angestellte gilt das Arbeitszeitgesetz mit acht Stunden werktäglich als Regelgrenze, für Inhaber nicht. Zum zahnärztlichen Notfalldienst sind in Nordrhein alle in Praxen tätigen Zahnärzte verpflichtet, andere Kammern regeln es in eigener Ordnung. Zahlen zu den Wochenstunden von Kieferorthopäden nennt dieser Artikel nicht; belegt sind die Struktur der Termine und die rechtlichen Grenzen.

Planbare Kontrollen statt Akutfälle

Die Kieferorthopädie besteht überwiegend aus Behandlungen über Monate bis Jahre. Eine typische Praxiswoche setzt sich aus diesen Terminarten zusammen (Berufsbild und Praxisalltag):

TerminartPlanung
Neuaufnahme mit Erstberatung und Diagnostikim Voraus vergeben
Behandlungsplanung und Gespräch mit Patienten und Elternim Voraus vergeben
Kontrolltermin zur Anpassung der Apparaturenmeist im Abstand mehrerer Wochen, im Voraus vergeben
Abstimmung mit Zahnärzten, Labor und Abrechnungohne Patiententermin
Akutfall (gelockerter Draht, abgebrochenes Bracket, Druckstelle)kurzfristig

Akutfälle kommen also vor und müssen versorgt werden, auch an Deinen freien Tagen; die Vertretung regelt, wer sie übernimmt. Der Kalender besteht dennoch überwiegend aus wiederkehrenden, im Voraus terminierten Kontrollen.

Rechtlicher Rahmen für Angestellte

Das Arbeitszeitgesetz gilt für Arbeitnehmer, also auch für angestellte Zahnärzte (§ 2 Abs. 2 ArbZG). Als Inhaber legst Du Deine Arbeitszeit selbst fest.

RegelInhalt
§ 3 ArbZGwerktägliche Arbeitszeit höchstens acht Stunden; bis zu zehn Stunden nur, wenn innerhalb von sechs Kalendermonaten oder 24 Wochen im Durchschnitt acht Stunden nicht überschritten werden
§ 4 ArbZGRuhepause von mindestens 30 Minuten bei mehr als sechs bis neun Stunden Arbeit, 45 Minuten bei mehr als neun Stunden; nicht länger als sechs Stunden ohne Pause
§ 5 ArbZGnach der täglichen Arbeitszeit mindestens elf Stunden Ruhezeit; in Krankenhäusern und anderen Einrichtungen zur Behandlung um bis zu eine Stunde verkürzbar, wenn sie innerhalb eines Kalendermonats oder von vier Wochen ausgeglichen wird

Stunden und Arbeitstage vereinbarst Du im Arbeitsvertrag. Für angestellte Zahnärzte in Praxen gibt es keinen Flächentarifvertrag (siehe Gehalt eines Kieferorthopäden). Ob Du Teilzeit verlangen kannst, beantwortet Teilzeit als Fachzahnarzt oder Fachzahnärztin; für die Weiterbildungszeit gilt Teilzeit mit Kind in der KFO-Weiterbildung.

An Universitätskliniken kommen zur Sprechstunde Lehre, Forschung und je nach Klinik Dienste hinzu. Die Unterschiede zur Praxis beschreibt Uniklinik oder Praxis.

Notfalldienst

Der zahnärztliche Notfalldienst ist Kammerrecht und unterscheidet sich je Kammer. In Nordrhein regelt ihn die Gemeinsame Notfalldienstordnung von Zahnärztekammer und KZV (2019, geändert 2022):

  • Zur Teilnahme sind alle in eigener Praxis tätigen Zahnärzte, in Praxen angestellte Zahnärzte und zugelassene MVZ verpflichtet und berechtigt. Assistenten in der Weiterbildung und Vorbereitung sind nicht verpflichtet.
  • Die Heranziehung läuft über die Praxis. Ein Vertragszahnarzt mit vollem Versorgungsauftrag zählt mit dem Faktor 1,0, mit hälftigem Versorgungsauftrag mit 0,5. Angestellte zählen bis 20 Wochenstunden mit 0,5, darüber mit 1,0.
  • Der Dienst liegt in den sprechstundenfreien Zeiten, also werktags abends und am Wochenende. Verhinderte sorgen selbst für Vertretung.
  • Befreiung gibt es auf Antrag aus schwerwiegenden Gründen, etwa einer Behinderung oder besonders belastenden Pflichten; ab dem 68. Lebensjahr auf Dauer. Eine Befreiung für bestimmte Fachgebiete nennt die Ordnung nicht.

Wie Deine Kammer es regelt, steht in ihrer Notfalldienstordnung.

Angestellt oder Inhaber

Als Angestellter gilt die vertraglich vereinbarte Arbeitszeit. Als Inhaber oder Partner einer Berufsausübungsgemeinschaft bestimmst Du die Öffnungszeiten, trägst aber die Verantwortung für Personal, Miete und Wirtschaftlichkeit; die Kosten laufen auch an Deinen freien Tagen (Kosten einer Praxis). Den Überblick über die Wege gibt Karrierewege in der Kieferorthopädie.

Weg A und Weg B

Die Terminstruktur ist bei Fachzahnarzt und Master dieselbe. Unterschiede betreffen Titel und Kassenabrechnung: „Kieferorthopäde“ und „Fachzahnarzt für Kieferorthopädie“ führt nur, wer die Kammeranerkennung hat. Zu Lasten der Krankenkassen gilt seit dem 30.07.2026 ein Fachzahnarztvorbehalt mit Ausnahmen für gleichwertige Abschlüsse, ausreichende Praxiserfahrung und Bestandsschutz (§ 28 Abs. 2 und 2a SGB V; Übergang bis einschließlich 29.07.2030). Die Einzelheiten stehen in Fachzahnarzt oder Master.

Weiterlesen: Belastung und Burnout in der Kieferorthopädie und Der Weg zum Kieferorthopäden.

Quellen

Stand: Oktober 2026.