Österreich hat seit dem 1. September 2023 einen eigenen Fachzahnarzt für Kieferorthopädie. Die Ausbildung dauert mindestens drei Jahre in Vollzeit und läuft als gemeinsamer Universitätslehrgang der Medizinischen Universitäten Wien, Graz und Innsbruck; Wien nimmt laut Curriculum drei Personen auf, Innsbruck grundsätzlich zwei. Der Abschluss der neuen Ausbildung steht seit der Fassung vom 29.10.2025 in Anhang V der Richtlinie 2005/36/EG, Deutschland erkennt ihn also automatisch an. Wie man zum Titel kommt, welche Lehrgänge es gibt und was beim Wechsel zwischen Deutschland und Österreich gilt, steht im Folgenden.

Die Ausgangslage: Österreich ohne eigenen Fachzahnarzt

Bis zum 31. August 2023 gab es in Österreich keine Berufsbezeichnung „Fachzahnarzt für Kieferorthopädie“. Spezialisierte Zahnärzte hatten Zusatzausbildungen ohne geschützten Titel. Strukturell lag Österreich damit näher an Weg B in Deutschland als an Weg A; wie beide Wege in Deutschland zusammenhängen, erklärt Fachzahnarzt oder Master: Wer darf sich „Kieferorthopäde“ nennen?

Was sich seit dem 1. September 2023 geändert hat

Das Fachzahnarzt-Kieferorthopädie-Gesetz (FZA-KFO-G) änderte das Zahnärztegesetz (ZÄG) und das Zahnärztekammergesetz. Der Nationalrat beschloss es am 14.12.2022, der Bundesrat am 20.12.2022, im Bundesgesetzblatt kundgemacht wurde es am 27.02.2023 (BGBl. I Nr. 18/2023). Die Bezeichnung „Fachzahnarzt für Kieferorthopädie“ führst Du seit dem 1. September 2023, sobald die ÖZÄK Dich in die Zahnärzteliste eingetragen hat. Die Ausbildung regelt die Kieferorthopädie-Ausbildungsverordnung (KFO-AV, BGBl. II Nr. 249/2023).

Die ÖZÄK nennt vier Wege zum Titel:

WegVoraussetzungNachweisStichtag oder Frist
1. EWR- oder Schweizer QualifikationFachzahnarzt-Nachweis für Kieferorthopädie nach der Richtlinie 2005/36/EGformloser Antrag, Ausbildungsnachweis im Original (gegebenenfalls übersetzt), Konformitätsbescheinigung zu Anhang V Nr. 5.3.3keine Frist genannt
2. Ausbildung nach KFO-AVdreijähriges postpromotionelles Studium, theoretisch und praktischNachweis nach KFO-AV, Einzelheiten nennt die Kammer nichtBeginn ab 01.09.2023; frühester Abschluss Sommer 2026
3. Universitätsausbildung vor 2023mindestens dreijährige postpromotionelle fachzahnärztliche Ausbildung an einer österreichischen Universität, Vollzeit (Teilzeit entsprechend länger)formloser Antrag, Abschlussnachweis der Universität, Nachweis des BeschäftigungsausmaßesBeginn vor 01.09.2023
4. Erworbene Rechteabgeschlossene KFO-Ausbildung, begonnen vor 01.09.2023; mindestens fünf der letzten zehn Jahre Berufsausübung in Österreich, mindestens drei der letzten fünf Jahre überwiegend kieferorthopädisch; gegebenenfalls PrüfungsgesprächAntragsformular der ÖZÄKAntrag bis 31.08.2027

Die Frist für Weg 4 läuft noch. Als abgeschlossene Ausbildungen nennt die Kammer zum Beispiel das ZFP-Diplom Kieferorthopädie, Ausbildungen nach NEBEOP und die Zertifikate ABO und EBO. Verbindlich sind die Seite der ÖZÄK und ihre Rechtsabteilung.

Der Universitätslehrgang für die neue Ausbildung

Die Medizinischen Universitäten Wien, Graz und Innsbruck führen den Lehrgang „Fachzahnärztliche Ausbildung in der Kieferorthopädie“ als gemeinsames Studienprogramm: sechs Semester in Vollzeit, 180 ECTS-Punkte, Abschluss Master of Science (Continuing Education), kurz MSc (CE). Nach dem Wiener Curriculum entfallen 72 ECTS auf die Theorie einschließlich Masterarbeit und 108 ECTS auf die Praxis. Dazu gibt es eine Abschlussurkunde, die als Ausbildungsnachweis nach Anhang V Nr. 5.3.3 der Richtlinie gilt. Bewerben kannst Du Dich mit einem abgeschlossenen Zahnmedizinstudium (mindestens 300 ECTS), der Qualifikation als Zahnarzt und mindestens zwei Jahren einschlägiger Berufserfahrung. Das Wiener Curriculum verlangt außerdem Deutsch auf Niveau C1, ein Bewerbungsschreiben und einen Lebenslauf und sieht gegebenenfalls ein Zulassungsgespräch vor. Zugelassen wirst Du an einer der drei Universitäten als Heimatuniversität; die beiden anderen nehmen Dich als Mitbelegende auf.

UniversitätStudienplätzeKostenBeginn
MedUni Wien3 (Curriculum 2024)Lehrgangsbeitrag, Höhe im Curriculum nicht genanntnicht angegeben
MedUni Graznicht angegeben18.000 Euro laut ProgrammseiteSommersemester 2027
MedUni Innsbruckgrundsätzlich 2 je Lehrgang (Studienplan 2024)Lehrgangsbeitrag, Höhe im Studienplan nicht genanntnicht angegeben

Der Lehrgang ist ein Studium mit Lehrgangsbeitrag; ein Gehalt wie bei einer Weiterbildungsstelle in Deutschland nennen die Curricula nicht. Aktuelle Bewerbungstermine veröffentlichen die Universitäten selbst.

Was das für deutsche Zahnärzte in Österreich bedeutet

Als deutscher Fachzahnarzt führst Du den Titel in Österreich nach Weg 1: formloser Antrag an die ÖZÄK, Ausbildungsnachweis im Original und Konformitätsbescheinigung zu Anhang V Nr. 5.3.3. Deutschland steht dort für Kieferorthopädie mit der „Fachzahnärztlichen Anerkennung für Kieferorthopädie“ der Landeszahnärztekammer. Gebühren und Bearbeitungsdauer nennt die ÖZÄK auf ihrer Seite nicht; frag vor einem Umzug bei der Rechtsabteilung nach.

Was das für österreichische KFO-Abschlüsse in Deutschland bedeutet

Anhang V Nr. 5.3.3 führt Österreich in der konsolidierten Fassung vom 29.10.2025 auf: „Abschlussurkunde über die fachzahnärztliche Ausbildung in der Kieferorthopädie“, ausstellende Stelle Universität, Stichtag 01.09.2023. Die Abschlussurkunde der neuen Ausbildung fällt damit unter die automatische Anerkennung; die Einzelfallprüfung auf Gleichwertigkeit entfällt. Den Antrag stellst Du bei der Landeszahnärztekammer des Bundeslandes, in dem Du arbeiten willst. Ältere Angaben, nach denen Österreich in Anhang V fehlt, sind überholt.

Für Titel, die über die Wege 3 und 4 erworben wurden, nennt die Tabelle nichts, und die ÖZÄK-Seite äußert sich dazu ebenfalls nicht. Hier entscheidet die Landeszahnärztekammer; Unterlagen und Ablauf stehen in Ausländische KFO-Weiterbildung in Deutschland anerkennen lassen.

Master in Österreich und Weg B

Die Danube Private University in Krems bietet einen Universitätslehrgang Kieferorthopädie mit dem Abschluss MSc (CE) an; die Programmseite nennt zwei Jahre Berufserfahrung nach der Approbation als Voraussetzung und erwähnt keine Fachzahnarzt-Anerkennung nach österreichischem Recht. Ob ein solcher Abschluss einen der Wege der ÖZÄK erfüllt, kann nur die Kammer beantworten; frag sie vor der Einschreibung. In Deutschland ist ein Master Weg B: Er berechtigt nicht zum Titel „Kieferorthopäde“ (Fachzahnarzt oder Master). Für Kassenleistungen gilt seit dem 30.07.2026 ein Fachzahnarztvorbehalt mit Übergang bis einschließlich 29.07.2030 und Bestandsschutz für Master, die bis einschließlich 29.07.2026 begonnen oder abgeschlossen wurden. Anbieter und Kosten vergleicht Master Kieferorthopädie: Anbieter in Deutschland.

Welche anderen Länder für eine Weiterbildung infrage kommen, zeigt der Überblick KFO-Weiterbildung im Ausland; den Gesamtüberblick über beide Wege gibt Der Weg zum Kieferorthopäden.

Weiterlesen: Kieferorthopädie in der Schweiz, Sprachnachweise für Zahnärzte im Ausland.

Quellen

Stand: Oktober 2026.