Die Fachzahnarzt-Weiterbildung Kieferorthopädie dauert in der Schweiz vier Jahre und läuft an den Universitäten Basel, Bern, Genf und Zürich. Zürich nimmt drei Personen pro Jahr auf; Bewerbungen gehen vom 1. Mai bis 30. September ein und gelten für den Start im September des Folgejahres. Das Fenster 2026 ist geschlossen, das nächste läuft vom 01.05. bis 30.09.2027 (Start September 2028). Einen deutschen Fachzahnarzttitel erkennt die Medizinalberufekommission (MEBEKO) direkt an; die Gebühr liegt bei CHF 800 bis 1.000.
In der Schweiz führt die Weiterbildung zum eidgenössisch anerkannten Fachzahnarzt, also zu Weg A. Wie sich dieser Weg vom Master (Weg B) unterscheidet und was seit dem 30.07.2026 zulasten der gesetzlichen Krankenkassen in Deutschland gilt, erklärt Fachzahnarzt oder Master: Wer darf sich „Kieferorthopäde“ nennen?. Weitere Länder zeigen KFO-Weiterbildung im Ausland und Englischsprachige KFO-Weiterbildung.
Wer die Weiterbildung in der Schweiz organisiert
In Deutschland erlassen 17 Landeszahnärztekammern eigene Weiterbildungsordnungen. In der Schweiz gibt es ein gemeinsames Regelwerk für den eidgenössischen Fachzahnarzttitel; die vier beteiligten Stellen:
| Stelle | Aufgabe |
|---|---|
| BZW (Büro für zahnmedizinische Weiterbildung der Schweizerischen Zahnärzte-Gesellschaft SSO) | organisiert die zahnmedizinische Weiterbildung (Weiterbildungsordnung, Gebührenordnung) |
| SGK/SSODF (Schweizerische Gesellschaft für Kieferorthopädie) | Weiterbildungsreglement Kieferorthopädie und Fachzahnarztprüfung |
| Universitäten Basel, Bern, Genf, Zürich | Weiterbildungsstätten und Anstellung |
| MEBEKO (Medizinalberufekommission beim Bundesamt für Gesundheit, BAG) | Anerkennung ausländischer Diplome und Weiterbildungstitel |
Ablauf und Dauer: vier Jahre an vier Universitäten
Für Programme mit Start ab 2026 verlangt das Reglement der SGK/SSODF vorab ein Jahr in Vollzeit in einem anderen zahnmedizinischen Fachgebiet; es kann in Teilzeit geleistet werden, allgemeinzahnmedizinische Tätigkeit in einer kieferorthopädischen Spezialpraxis wird dabei nicht angerechnet. Danach dauert die universitäre Weiterbildung vier Jahre an einer anerkannten kieferorthopädischen Universitätsklinik; Zürich legt das vierte Jahr als Gastanstellung im Teilzeitpensum aus. Zum Abschluss gehören vier dokumentierte Behandlungsfälle, eine wissenschaftliche Arbeit und die Fachzahnarztprüfung, die spätestens fünf Jahre nach dem Programmende stattfinden muss.
| Standort | Angaben der Weiterbildungsstätte |
|---|---|
| Zürich (ZZM) | vier Jahre, das vierte Jahr als Gastanstellung im Teilzeitpensum; drei Plätze pro Jahr; Bewerbung 01.05. bis 30.09., Auswertung im Oktober, Start im September des Folgejahres; ausländisches Diplom mit Promotion; ein Jahr Praxis in Schulzahnklinik oder Allgemeinpraxis; gute Deutsch- und Englischkenntnisse |
| Bern (zmk) | Master of Advanced Studies in Orthodontics and Dentofacial Orthopedics, vier Jahre Vollzeit, 240 ECTS, führt zum eidgenössischen Fachzahnarzttitel; Start im September ungerader Jahre; Bewerbung 1. bis 30. September des Vorjahres, die Frist für 2027 bis 2031 endete am 30.09.2026; abgeschlossene Dissertation und mindestens ein Jahr Berufserfahrung in der allgemeinen Zahnmedizin; Unterrichtssprache Deutsch |
| Basel (UZB) | Weiterbildungsstätte laut SGK; die abgerufene Klinikseite nennt keine Bewerbungsfrist |
| Genf (CUMD) | Weiterbildungsstätte laut SGK; die abgerufene Seite nennt keine Bewerbungsfrist |
Für Bern ergibt sich aus den Angaben der Klinik der nächste Termin: Bewerbung im September 2028 für den Start im September 2029. Mit einem deutschen Diplom brauchst Du in beiden Fällen eine Promotion.
Das Reglement sieht keine Weiterbildung in einer niedergelassenen Praxis vor, anders als die ermächtigten Praxen in Deutschland (Kammervergleich). Dafür sind Inhalt und Titel in der ganzen Schweiz einheitlich.
Vergütung und Gebühren
Zürich nennt auf der Programmseite keinen Lohn und keine Gebühr. Bern ist laut Berufsberatung.ch (Angaben der Universität) in der Regel mit einer Anstellung an der Klinik verbunden; wer ohne Stelle teilnimmt, zahlt eine kostendeckende Gebühr. Löhne nennt keine der Programmseiten, frag bei der Klinik nach.
Am Ende der Weiterbildung fallen diese Gebühren an:
| Posten | Betrag | Quelle |
|---|---|---|
| Fachzahnarzttitel (Anteil des BZW an der Prüfung und Titelerteilung) | CHF 4.000 | Gebührenordnung der SSO, Anhang II zur Weiterbildungsordnung |
| Prüfungsgebühr der SGK/SSODF | CHF 2.000 für Mitglieder, CHF 4.000 für Nichtmitglieder; gilt für Programme, die nach dem 01.07.2026 begonnen haben | Gebührenordnung der SGK/SSODF |
Die Mitgliederstufe setzt mindestens zwei Jahre Juniormitgliedschaft und eine Aktiv- oder außerordentliche Mitgliedschaft voraus.
Anerkennung: MEBEKO statt Landeszahnärztekammer
Die Schweiz gehört nicht zur EU. Die Anerkennung läuft über das Freizügigkeitsabkommen zwischen der Schweiz und der EU; als Grundlage der direkten Anerkennung nennt das BAG die Richtlinie 2005/36/EG und das EFTA-Übereinkommen. Zuständig ist die MEBEKO, zentral für das ganze Land.
Für einen deutschen Fachzahnarzttitel gilt ein zweistufiges Verfahren:
- Dein zahnärztliches Grunddiplom muss ein eidgenössisches oder ein von der MEBEKO formell anerkanntes Diplom sein. Das ist ein eigener Antrag.
- Danach stellst Du den Antrag auf direkte Anerkennung des Weiterbildungstitels, auf Papier per Post, mit Hauptformular und Zusatzformular 1.3 für Zahnmedizin.
Voraussetzungen sind die Staatsangehörigkeit der Schweiz oder eines EU- oder EFTA-Staates (bzw. des Ehepartners), ein Titel mit der Bezeichnung aus der Richtlinie und die Ausstellung durch die dort genannte Behörde. Für Deutschland führt Anhang V Nr. 5.3.3 die „Fachzahnärztliche Anerkennung für Kieferorthopädie“ der Landeszahnärztekammer auf. Das Zusatzformular für Zahnmedizin kennt die direkte Anerkennung nur für Kieferorthopädie und Oralchirurgie.
Die Gebühr beträgt CHF 800 bis 1.000 je Gesuch, die Bearbeitung dauert derzeit rund drei Monate (Stand 29.09.2026) und nach den FAQ der Seite bis zu fünf Monate nach der Eingangsbestätigung. Die Gebühr für die Anerkennung des Grunddiploms nennt die Seite nicht.
Schweizer Titel in Deutschland
In der Tabelle von Anhang V Nr. 5.3.3 der Richtlinie 2005/36/EG (konsolidierte Fassung vom 29.10.2025) steht die Schweiz nicht. Wie Deine Landeszahnärztekammer einen eidgenössischen Fachzahnarzttitel behandelt, klärst Du vor der Bewerbung bei der Kammer; Ablauf und Unterlagen stehen in Ausländische KFO-Weiterbildung in Deutschland anerkennen lassen. Ein Abschluss ohne anerkannten Fachzahnarzttitel führt in Deutschland nicht zum Titel „Kieferorthopäde“; für Kassenleistungen gilt seit dem 30.07.2026 der Fachzahnarztvorbehalt, mit Ausnahmen für gleichwertige Abschlüsse, ausreichende Praxiserfahrung und den Übergang bis einschließlich 29.07.2030 (Fachzahnarzt oder Master). Der Berner MAS ist deshalb kein Weg-B-Master im deutschen Sinn: Er führt laut Universität zum eidgenössischen Fachzahnarzttitel.
Sprache und Planung
Zürich verlangt gute Deutsch- und Englischkenntnisse in Wort und Schrift, Bern unterrichtet auf Deutsch. Welche Nachweise die Behörden akzeptieren, steht in Sprachnachweise für Zahnärzte im Ausland. Der Zeitplan für Zürich: Praxisjahr nachweisen, den MEBEKO-Antrag für das Grunddiplom parallel zur Bewerbung stellen, bis 30.09.2027 bewerben und im September 2028 starten. Wie die Rückkehr nach der Weiterbildung abläuft, beschreibt Zurück nach Deutschland; den Gesamtüberblick über beide Wege gibt Der Weg zum Kieferorthopäden.
Weiterlesen: Orthodontie in den Niederlanden, Kieferorthopädie in Österreich und KFO-Weiterbildung in Skandinavien.
Quellen
- Universität Zürich, ZZM: Fachzahnarzt Kieferorthopädie (SSO): vier Jahre, drei Plätze, Bewerbungsfenster, Start, Voraussetzungen, Sprachen
- Universität Bern, zmk: MAS in Orthodontics and Dentofacial Orthopedics: vier Jahre, 240 ECTS, eidgenössischer Titel, Bewerbungsfrist
- Berufsberatung.ch: Universität Bern, Kieferorthopädie: Anstellung und Gebühr für externe Teilnehmende (Portal, gibt Anbieterangaben wieder)
- SGK/SSODF: Weiterbildungsreglement Fachzahnarzt Kieferorthopädie (Start 2026+): Praxisjahr, vier Jahre an einer Klinik, Prüfungsfrist
- SGK/SSODF: Gebührenordnung Fachzahnarztprüfungen: Prüfungsgebühr CHF 2.000 bzw. 4.000
- SSO: Zahnmedizinische Weiterbildungsordnung mit Gebührenordnung: BZW-Gebühr CHF 4.000 für den Fachzahnarzttitel
- SGK/SSODF: Fachzahnarztprüfung: Weiterbildungsstätten Basel, Bern, Genf, Zürich
- BAG: Weiterbildungstitel aus einem EU/EFTA-Staat, direkte Anerkennung: Verfahren, Gebühr CHF 800 bis 1.000, Bearbeitungszeit
- MEBEKO: Zusatzformular 1.3 Zahnmedizin: Voraussetzungen, Kieferorthopädie und Oralchirurgie
- Richtlinie 2005/36/EG, konsolidierte Fassung vom 29.10.2025 (EUR-Lex): Anhang V Nr. 5.3.3, Eintrag Deutschland, Schweiz nicht gelistet
Stand: Oktober 2026.
