Eine übernommene kieferorthopädische Fachpraxis kostete 2024 im Mittel 347.000 Euro Kaufpreis, davon rund 233.000 Euro für den ideellen Wert (Goodwill) und 114.000 Euro für den Substanzwert. Das ergibt die Auswertung von IDZ und apoBank für 33 KFO-Fachpraxen mit Übernahme oder Einstieg. Der Praxiswert folgt aus Substanzwert und Goodwill; für den Goodwill gibt es kein amtliches Verfahren, sondern die „Hinweise zur Bewertung von Arztpraxen“ von Bundesärztekammer und KBV und die Rechtsprechung zur modifizierten Ertragswertmethode.

Substanzwert und Goodwill

Der Praxiswert setzt sich laut den Hinweisen von 2008 aus zwei Teilen zusammen.

BausteinWas er umfasstGrundlage
Substanzwert (materieller Wert)Praxiseinrichtung inklusive medizinisch-technischer Geräte, EDV, Büroausstattung, Vorräte, gegebenenfalls Ein- und UmbautenAnlageverzeichnis der Praxis; Marktwert jedes einzelnen Wirtschaftsguts, unter Berücksichtigung von technischen Neuerungen, Auflagen und Preisentwicklung
Ideeller Wert (Goodwill)die Chance, die eingeführte Praxis mit ihrem Patienten- oder Überweiserstamm wirtschaftlich erfolgreich fortzuführenErtragswert, siehe nächster Abschnitt

Der Goodwill ist laut den Hinweisen an die Person des Praxisinhabers gebunden und deshalb etwas anderes als der Firmenwert eines Gewerbebetriebs. Wie groß beide Teile bei einer KFO-Praxis tatsächlich waren, zeigt der IDZ-InvestMonitor 2024:

Übernahme 2024 (Mittelwerte)FälleIdeeller WertSubstanzwertKaufpreis
KFO-Fachpraxen (Übernahme oder Einstieg)33233.000 Euro114.000 Euro347.000 Euro
Allgemeinzahnarztpraxen (Einzelpraxisübernahme)306153.000 Euro73.000 Euro226.000 Euro

Der Goodwill macht damit in beiden Gruppen etwa zwei Drittel des Kaufpreises aus (eigene Rechnung aus den IDZ-Werten). Die Werte stammen nur aus Finanzierungsfällen der apoBank und beruhen bei den KFO-Praxen auf wenigen Fällen. Die übrigen Investitionen nach dem Kauf, etwa für Umbau und Geräte, behandelt Eigene KFO-Praxis gründen oder übernehmen.

So wird der Goodwill berechnet

Die Richtlinien der Bundesärztekammer von 1987 stellten auf Umsatz und wirtschaftliches Ergebnis der Vergangenheit ab. Bundesärztekammer und KBV haben sie 2008 durch „Hinweise zur Bewertung von Arztpraxen“ ersetzt (Stand 9. September 2008, Deutsches Ärzteblatt vom 22.12.2008), die ertragswertorientiert rechnen. Die Hinweise geben nach eigener Aussage nur Anhaltspunkte und keine rechtlich verbindliche Bewertungsgrundlage. Sie beziehen sich auf Arztpraxen; bei einer Zahnarztpraxis liefern sie den Aufbau der Rechnung, die Parameter muss der Gutachter begründen. Der Goodwill ergibt sich in sechs Schritten:

  1. Übertragbarer Umsatz: der Durchschnitt der Jahresumsätze der letzten drei Kalenderjahre vor dem Bewertungsfall, bereinigt um Anteile, die an die Person des Inhabers gebunden sind (zum Beispiel Gutachten oder personenbezogene Abrechnungsgenehmigungen).
  2. Übertragbare Kosten: die durchschnittlichen Praxiskosten derselben drei Jahre, korrigiert um nicht übertragbare Kosten, kalkulatorische Kosten und künftig entstehende Kosten, etwa Miete für Räume im Eigentum des Abgebers.
  3. Übertragbarer Gewinn: Umsatz minus Kosten, vor Steuern.
  4. Alternatives Arztgehalt: Als Ausgangswert für 2008 setzen die Hinweise 76.000 Euro an und verlangen, spätere Tarifanpassungen zu berücksichtigen. Ab einem übertragbaren Umsatz von 40.000 Euro wird ein gestaffelter Anteil abgezogen, der bei 240.000 Euro Umsatz 100 Prozent erreicht.
  5. Nachhaltig erzielbarer Gewinn: übertragbarer Gewinn minus Arztgehalt.
  6. Prognosemultiplikator: Er entspricht der Zahl der Jahre, in denen eine Patientenbindung an den bisherigen Inhaber angenommen wird, und beträgt in der Regel zwei Jahre bei einer Einzelpraxis und 2,5 Jahre bei einer Berufsausübungsgemeinschaft. Nachhaltig erzielbarer Gewinn mal Multiplikator ist der Goodwill.

Faktoren wie Ortslage, Arztdichte, Praxisstruktur oder Qualitätsmanagement können den errechneten Wert nach den Hinweisen verändern, in der Regel um nicht mehr als 20 Prozent. Die Zulassung selbst ist nicht veräußerlich; sie kann aber ein wertbeeinflussender Faktor sein. Für Zahnärzte gibt es keine Zulassungssperren (§ 103 Abs. 8 SGB V), so dass die Zulassung bei der Übernahme neu beim Zulassungsausschuss zu beantragen ist (Zulassung und Praxissitz).

Der Bundesgerichtshof hat dieses Prinzip im Zugewinnausgleich einer Zahnarzt-Gemeinschaftspraxis gestützt (Urteil vom 09.02.2011, XII ZR 40/09). Eine Bewertung allein nach dem Umsatz verbietet sich danach, weil der Umsatz keine sicheren Rückschlüsse auf die Gewinnerwartung erlaubt. Das reine Ertragswertverfahren eignet sich nicht, weil sich die Prognose kaum von der Person des Inhabers trennen lässt. Gebilligt hat der BGH die modifizierte Ertragswertmethode, die vom durchschnittlichen Ertrag einen individuellen Unternehmerlohn des Inhabers abzieht. Das Urteil betrifft den Zugewinnausgleich, nicht den Praxiskauf, und schreibt keine Methode vor.

Laufende Behandlungsfälle

Kieferorthopädische Behandlungen dauern Jahre, deshalb sind am Übergabestichtag viele Fälle begonnen und nicht abgeschlossen. Die Hinweise von 2008 kennen dafür keine eigene Regel. Im Kaufvertrag brauchen diese Fälle eine Antwort auf drei Fragen:

FrageWas zu klären ist
KaufpreisWie werden begonnene Behandlungen im Preis berücksichtigt, neben Substanzwert und Goodwill?
AbrechnungWer rechnet die noch ausstehenden Leistungen gegenüber der KZV, den Kassen und privat ab? Wie werden bereits vereinnahmte Beträge zwischen Käufer und Verkäufer abgegrenzt?
HaftungWer haftet für Fälle, die der Verkäufer begonnen hat und der Käufer fortführt?

Das ist Vertragsgestaltung. Bring sie in das Gespräch mit einer Steuerberatung oder Anwaltschaft für Heilberufe.

Checkliste vor dem Kauf

Frag diese Unterlagen und Punkte vor dem Kaufvertrag ab:

  1. Umsätze und Kosten der letzten drei Kalenderjahre; sie sind die Grundlage der Rechnung nach den Hinweisen.
  2. Umsatzentwicklung, Kostenstruktur, Ergebnisse und Cash-flow (so führt es die apoBank-Checkliste für Übernahmen).
  3. Anlageverzeichnis mit Alter und Restwerten der Geräte; daraus folgt der Substanzwert.
  4. Mietvertrag mit Laufzeit und Kündigungsfrist; Eigentum des Abgebers an den Räumen erzeugt künftig Mietkosten.
  5. Personalverträge und Fragen zur Übernahme des Teams (so ebenfalls in der apoBank-Checkliste).
  6. Liste der laufenden Behandlungsfälle mit Stand der Behandlung (siehe oben).
  7. Zulassung: Beantragst Du sie neu, und darfst Du die Kassenleistungen der Praxis abrechnen? Für Käufer ohne Fachzahnarzt-Titel gilt seit dem 30.07.2026 der Fachzahnarztvorbehalt nach § 28 Abs. 2 SGB V; Ausnahmen und Übergang bis einschließlich 29.07.2030 stehen in Fachzahnarzt oder Master.

Die Praxisbezeichnung richtet sich nach dem Titel: „Fachzahnarztpraxis für Kieferorthopädie“ nur mit Titel, „Praxis für Kieferorthopädie“ auch ohne Titel, wenn direkt daneben aufgeklärt wird (Praxisschild und Werbung). Wie ein Kaufpreis steuerlich behandelt wird, steht in Steuern als selbstständiger Kieferorthopäde. Welche Angaben zur Praxis eine Bank bei einer Übernahme sehen will, steht in Finanzierung der Praxisgründung.

Weiterlesen: Eigene KFO-Praxis gründen oder übernehmen, Finanzierung der Praxisgründung, Steuern als selbstständiger Kieferorthopäde, Was ein Kieferorthopäde verdient.

Quellen

Stand: Oktober 2026.