Als selbstständiger Kieferorthopäde versteuerst Du den Praxisgewinn über die Einkommensteuer, nicht über Lohnsteuer. Gewerbesteuer fällt für die freiberufliche Praxis nicht an. Heilbehandlungen sind nach § 4 Nr. 14 UStG umsatzsteuerfrei, mit zwei Ausnahmen: kieferorthopädische Apparate aus dem eigenen Labor und rein ästhetische Leistungen. Wegen der steuerfreien Umsätze kannst Du die Umsatzsteuer auf Geräte und Umbau nicht als Vorsteuer abziehen.

SteuerartGrundlageGilt für die KFO-PraxisBesonderheit
Einkommensteuer§ 18 Abs. 1 Nr. 1, § 4 Abs. 3, § 37 EStGja, auf den GewinnZahnärzte sind Katalogberuf; Vorauszahlungen zum 10.03., 10.06., 10.09. und 10.12.
Gewerbesteuer§ 2 GewStG, § 15 Abs. 3 EStGEinzelpraxis und BAG mit freiberuflichen Einkünften: neinKapitalgesellschaften (Praxis-GmbH, MVZ-GmbH) gelten stets als Gewerbebetrieb; Abfärbung bei Personengesellschaften
Umsatzsteuer§ 4 Nr. 14 Buchst. a, § 18 UStGHeilbehandlungen: steuerfreisteuerpflichtig: Apparate aus dem Eigenlabor, ästhetische Leistungen ohne Krankheitsbezug
Vorsteuer§ 15 Abs. 2 und 4 UStGkein Abzug für steuerfreie Umsätzebetrifft Geräte, Umbau, Einrichtung

Einkommensteuer

Als Angestellter führt der Arbeitgeber die Lohnsteuer ab. Als Selbstständiger gibst Du eine Einkommensteuererklärung ab und versteuerst den Gewinn, also Betriebseinnahmen abzüglich Betriebsausgaben. Wer nicht zur Buchführung verpflichtet ist und keine Bücher führt, darf den Überschuss der Einnahmen über die Ausgaben ansetzen (Einnahmen-Überschuss-Rechnung, § 4 Abs. 3 EStG). Die Abschreibung der Anschaffungen läuft nach den allgemeinen Vorschriften zur Absetzung für Abnutzung.

Vierteljährlich zahlst Du Vorauszahlungen auf die Einkommensteuer, jeweils am 10. März, 10. Juni, 10. September und 10. Dezember. Das Finanzamt setzt sie fest; sie bemessen sich grundsätzlich nach der Einkommensteuer der letzten Veranlagung (§ 37 EStG). Eine Rücklage für Nachzahlungen gehört deshalb in die Liquiditätsplanung.

Zahnärzte nennt § 18 Abs. 1 Nr. 1 EStG ausdrücklich als freiberufliche Tätigkeit, und zwar unabhängig davon, ob Du über die Fachzahnarzt-Weiterbildung (Weg A) oder einen Master (Weg B) zur Kieferorthopädie gekommen bist. Titel und Weg ändern an der Einordnung nichts; die Folgen für die Kassenabrechnung seit dem 30.07.2026 stehen in Fachzahnarzt oder Master.

Wer gerade in die Zulassung kommt, findet die Reihenfolge in Eigene KFO-Praxis gründen oder übernehmen. Zu den Wegen in die Selbstständigkeit insgesamt siehe Karrierewege in der Kieferorthopädie.

Gewerbesteuer und Rechtsform

Der Gewerbesteuer unterliegt ein Gewerbebetrieb im Sinne des Einkommensteuergesetzes (§ 2 Abs. 1 GewStG). Freiberufliche Einkünfte nach § 18 EStG fallen nicht darunter. Wie die Rechtsform wirkt, zeigt die Übersicht:

RechtsformEinordnungBeachten
Einzelpraxisfreiberufliche Einkünfte, keine Gewerbesteuergewerbliche Nebentätigkeiten prüfen lassen
BAG als Personengesellschaft (zum Beispiel GbR)freiberuflich, solange nur freiberuflich tätigAbfärbung: Übt die Gesellschaft auch eine gewerbliche Tätigkeit aus, gilt die gesamte Tätigkeit als Gewerbebetrieb (§ 15 Abs. 3 Nr. 1 EStG)
Partnerschaftsgesellschaft (PartG)Gesellschaft für Freie Berufe, kein Handelsgewerbe (§ 1 PartGG)als Personengesellschaft gilt dieselbe Abfärberegel; die Haftungsbeschränkung „mbB“ setzt eine gesetzlich vorgegebene Berufshaftpflichtversicherung voraus (§ 8 Abs. 4 PartGG)
Praxis-GmbH oder MVZ-GmbHgilt stets und in vollem Umfang als Gewerbebetriebgewerbesteuerpflichtig (§ 2 Abs. 2 GewStG)

Welche Leistungen Deine Praxis außerhalb der Behandlung anbietet, etwa den Verkauf von Produkten, gehört deshalb in die Fragen an die Steuerberatung.

Umsatzsteuer

Steuerfrei sind nach § 4 Nr. 14 Buchstabe a UStG Heilbehandlungen im Bereich der Humanmedizin, die ein Zahnarzt im Rahmen seiner Tätigkeit durchführt. Dazu gehört die kieferorthopädische Behandlung einer Fehlstellung. Zwei Ausnahmen musst Du kennen.

Erstens nimmt das Gesetz die Lieferung und Wiederherstellung von kieferorthopädischen Apparaten aus der Steuerfreiheit aus, soweit der Unternehmer sie in seinem Unternehmen hergestellt oder wiederhergestellt hat (§ 4 Nr. 14 Buchst. a Satz 2 UStG). Betreibst Du ein Eigenlabor, ist die Abgabe selbst hergestellter Apparate umsatzsteuerpflichtig.

Zweitens gelten für rein ästhetische Leistungen strengere Regeln. Das BMF-Schreiben vom 21.05.2026 (GZ III C 3 - S 7170/00085/004/035) übernimmt dazu zwei Urteile des Bundesfinanzhofs vom 04.12.2014 (V R 16/12 und V R 33/12) in den Umsatzsteuer-Anwendungserlass (Abschnitte 4.14.1 und 4.14.6). Ästhetische Behandlungen sind danach nur steuerfrei, wenn sie Personen behandeln oder heilen, bei denen ein Eingriff ästhetischer Natur erforderlich ist, weil eine Krankheit (auch psychischer Art), eine Verletzung oder ein angeborener körperlicher Mangel vorliegt. Folgen einer vorherigen medizinisch indizierten Behandlung dürfen ebenfalls steuerfrei behoben werden. Wer sich auf die Befreiung beruft, trägt die Feststellungslast. Ergibt sich die medizinische Indikation nicht schon aus der Leistung selbst, musst Du sie für jeden Patienten anonymisiert dokumentieren. Erforderlich ist eine qualifizierte ärztliche Bescheinigung; eine entstellende Wirkung oder psychische Erkrankung stellt ein dafür zuständiger Facharzt fest. Als Indiz gegen die Steuerfreiheit nennt der Erlass, dass die Kosten regelmäßig nicht von Krankenversicherungen übernommen werden. Die Grundsätze gelten für alle offenen Umsätze.

Ob eine einzelne Erwachsenenbehandlung unter diese Regeln fällt, ist eine Einzelfallfrage; die Indikationsseite beschreibt Kieferorthopädie bei Erwachsenen. Fallen steuerpflichtige Umsätze an, gibst Du Umsatzsteuer-Voranmeldungen ab (§ 18 UStG).

Vorsteuer und Investitionen

Vom Vorsteuerabzug ausgeschlossen ist die Umsatzsteuer auf Lieferungen und Leistungen, die Du für steuerfreie Umsätze verwendest (§ 15 Abs. 2 Nr. 1 UStG). Für eine KFO-Praxis heißt das: Die Umsatzsteuer auf Behandlungseinheiten, Röntgengerät, Scanner, Umbau und Einrichtung holst Du Dir nicht zurück, soweit die Geräte der steuerfreien Behandlung dienen. Nutzt Du etwas nur zum Teil dafür, etwa im Eigenlabor, ist nur der darauf entfallende Teil der Vorsteuer nicht abziehbar; die Aufteilung darf nach einer sachgerechten Schätzung erfolgen (§ 15 Abs. 4 UStG). Plane die Umsatzsteuer deshalb als Teil der Investitionskosten in die Finanzierung ein.

Zum Steuerrecht der Anschaffungen gehört auch der Investitionsabzugsbetrag nach § 7g EStG. Er erlaubt, bis zu 50 Prozent der voraussichtlichen Anschaffungskosten beweglicher Wirtschaftsgüter vorab gewinnmindernd abzuziehen, wenn der Gewinn des Jahres ohne diesen Abzug 200.000 Euro nicht überschreitet.

Fragen für das erste Gespräch mit der Steuerberatung

  1. Welche Rechtsform passt zu meiner Praxis, und was bedeutet sie für Gewerbesteuer und Haftung?
  2. Gibt es bei meiner Praxis Tätigkeiten, die als gewerblich gelten könnten (Abfärbung)?
  3. Betreibe ich ein Eigenlabor, und wie behandle ich die Abgabe selbst hergestellter Apparate umsatzsteuerlich?
  4. Welche Leistungen sind steuerfrei, und wie dokumentiere ich die medizinische Indikation bei ästhetisch motivierten Behandlungen?
  5. Wie teile ich die Vorsteuer bei gemischt genutzten Geräten und Räumen auf?
  6. Soll ich den Investitionsabzugsbetrag nutzen, und wie planen wir Abschreibungen?
  7. Wie hoch sollen meine Einkommensteuer-Vorauszahlungen sein, und welche Rücklage plane ich ein?
  8. Wie wird der Kaufpreis bei einer Praxisübernahme steuerlich aufgeteilt (siehe Praxiswert und Kaufpreis)?

Verbindlich beantwortet diese Fragen für Deinen Einzelfall Deine Steuerberatung.

Weiterlesen: Finanzierung der Praxisgründung, Praxiswert und Kaufpreis einer KFO-Praxis, Einkommen als Kieferorthopäde und Der Weg zum Kieferorthopäden.

Quellen

Stand: Oktober 2026.